Die bergmännischen Traditionsvereine im Erzgebirge haben große Nachwuchsprobleme. "Wir haben nach der Wiedervereinigung eine regelrechte Blütezeit erlebt, jetzt fehlen in zahlreichen Gruppen junge Leute", sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, Henry Schlauderer. 1991 habe sich der Verband mit elf Mitgliedsvereinen gegründet, heute sind es 60 mit rund 3000 Mitgliedern.
"Allerdings sind viele Vereine nun überaltert", sagte Schlauderer. Als Gründe nannte er den Zeitgeist und Abwanderung.
Viele junge Leute könnten mit der Traditionspflege nichts mehr anfangen, erklärte Schlauderer. "Was wir machen, spricht viele Jugendliche nicht mehr an." Zwar gehörten auch für sie die traditionellen Bergparaden zur Weihnachtszeit im Erzgebirge dazu, aber das ganze Jahr wollten sie nicht mitmachen. Zudem würden viele junge Leute die traditionellen Uniformen abschrecken.
"Viele sehen im Erzgebirge auch keine Zukunft mehr", erklärte Schlauderer. Dafür sei die Wirtschaft der Region zu schwach. Allerdings sei gerade bei den Abwanderern festzustellen, dass viele von weit her als Besucher zu Umzügen der Vereine zurück in die alte Heimat kämen. "Unsere Tradition ist für viele für viele ein Stück Identität", sagte Schlauderer. "Es wäre schlimm, wenn das kaputt ginge."
Dem DDR-Regime sei das jedenfalls nicht gelungen, schilderte Schlauderer. "Unsere Aktivitäten waren nicht besonders gern gesehen." Einerseits hätte die Traditionspflege als nationalistisch und reaktionär gegolten, andererseits sei der DDR-Führung die starke christliche Prägung der Bergleute ein Dorn im Auge gewesen.
Als Beispiel für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit nannte Schlauderer die Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft mit mehr als 350 Mitgliedern. "Die haben seit langem eine eigene Frauengruppe und eine Jugendabteilung", schilderte er.
"Außerdem machen sie ganz offensiv in Schulen auf sich aufmerksam, um die Schüler für sich zu begeistern."
Auch wegen der Nachwuchssorgen längst abgeschafft sei in den meisten Vereinen die Vorschrift, dass nur "stattliche Kerle" mitlaufen dürften. "Frauen und Kinder gehören mittlerweile ganz selbstverständlich zum Bild einer Bergparade", erklärte Schlauderer.
Im Internet: www.berg bautradition-sachsen.de