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Bergbausanierung – Exportschlager auf Abruf

Der Blick auf die Landmarke zwischen Sedlitzer und Geierswalder See. Dort schlägt das Herz des Seenlandes.
Der Blick auf die Landmarke zwischen Sedlitzer und Geierswalder See. Dort schlägt das Herz des Seenlandes. FOTO: LMBV/Radke
Cottbus. Die Lausitz wird für ihren Umgang mit Folgen des Kohleabbaus international bestaunt. Doch wie kann das Know-how vermarktet und an Kunden gebracht werden? Christian Taubert

Die Lausitz hat in den zurückliegenden mehr als zwei Jahrzehnten einen Exportschlager hervorgebracht. Er wird international bestaunt und steht längst auf Abruf bereit. Aber in vollem Umfang zur Anwendung gekommen ist das erworbene Know-how der Lausitzer Bergbausanierung bisher nicht. Es hat zwar das Zeug zur internationalen Vermarktung und dazu, hier weltweit agierende Experten im Sanierungsbergbau anzusiedeln. Aber noch bleibt dieser Baustein im Prozess des Strukturwandels in der Lausitz nach dem Kohlebergbau weitgehend unterbelichtet.

"Was im Lausitzer Seenland entstanden ist, das begeistert internationale Experten", erläuterte der Pressesprecher des bundeseigenen Bergbausanierers LMBV, Uwe Steinhuber. "Es gibt durchaus Länder, die Technologien nachnutzen wollen. Doch wenn es ans Bezahlen geht . . .." Dennoch nennt Steinhuber eine Reihe von Projekten, die international gezeigt haben, was die LMBV im Sanierungsbergbau zu leisten in der Lage ist. So ist in Vietnam eine Grubenwasser-Reinigungsanlage gebaut worden, mit deren Technologie die bekannte Halong Bay von Auswirkungen des Steinkohleabbaus geschützt wird.

Doch dem mit staatlichen Mitteln - über das Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Braunkohleländern - finanzierten Bergbausanierer ist es weitgehend untersagt, sich international zu vermarkten. Begonnene Aktivitäten, sagen Insider, sind vom Bundesfinanzministerium sogar zurückgepfiffen worden. Aber nach dem jüngsten Besuch von Bundes-Finanzstaatssekretär Jens Spahn in Spremberg könnte es einen Sinneswandel geben. "Wir haben hier weltweit einmaliges Wissen, wie Bergbausanierung funktioniert", erklärte Spahn, als er sich über die Folgen der Verockerung der Spree informierte und auch Wege hin zu einer klaren Spree erläutert bekam. "Vielleicht könnte ein Tochterunternehmen der LMBV den Part der internationalen Vermarktung übernehmen."

Diesen Ansatz verfolgt auch das Potsdamer Wirtschaftsministerium, wenn es Workshops mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Unternehmen der Region organisiert, um für ihre Bergbaukompetenz neue Märkte zu suchen. Aus Sicht von Minister Al brecht Gerber (SPD) wäre als Unterstützung eine Messeförderung, Hilfe bei der Entwicklung neuer Produkte oder bei der Erschließung internationaler Märkte denkbar.

Um jene Unternehmen fit für den internationalen Markt zu machen, den sie bisher aufgrund der Arbeit im Bergbau der Lausitz eher vernachlässigen konnten, gibt es die neue Internationalisierungsinitiative für Bergbau- und Kraftwerks kompetenzen. Sie ist vom Potsdamer Wirtschaftsministerium mit der IHK Cottbus und der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) als Initiative "MinGenTec - Mining & Generation Technology" ins Leben gerufen worden. "Wir wollen hier nicht nur die großen Player erreichen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen in den internationalen Fokus rücken", schildert WFBB-Geschäftsführer Sebastian Saule, dass bereits 150 Betriebe der Region der Initiative gefolgt sind.

Dieser Weg kommt dem grundlegenden Ansatz der Innovationsregion Lausitz (iRL) GmbH nahe. "Es geht um einzigartige Fähigkeiten von Unternehmen in der Lausitz, die für sich selbst neue Märkte finden müssen", sagt iRL-Geschäftsführer Hans-Rüdiger Lange. Dabei sei jede Firma für sich zu betrachten. Auch unter dem Blickwinkel, wie Potenziale weiter ausgebaut werden können.

Die Leiterin des Geschäftsbereiches Internationales und Innovation, Silke Schwabe, fügt hinzu: "Vor allem kleine Betriebe wünschen Vernetzung." Deshalb sollte etwa die Bildung eines Konsortiums, das die Kompetenzen in der Region bündelt und die Unternehmen auf die internationalen Märkte führt, nicht ausgeschlossen werden. Für den iRL-Geschäftsführer kommt das der Planwirtschaft nahe, "was nicht funktionieren wird".

"Fakt ist, wir sind mit der Bergbausanierung exportfähig", betont IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger. Er führt das schiffbar verbundene Lausitzer Seenland ebenso an wie Technologien zur Stabilisierung von Uferböschungen, zur Wasserregulierung, gegen die Verockerung und saures Wasser oder Methoden zur Rekultivierung mit einheimischen Pflanzen. "Wir müssen ein Paket schnüren, um all das gewinnbringend zu vermarkten", erklärt Krüger, der einräumt, schon vor zehn Jahren als Wirtschafts-Staatssekretär unter Minister Ulrich Junghanns (CDU) derartige Szenarien diskutiert zu haben.

In Prof. Rolf Kuhn findet er einen Befürworter. Das Sanierungswissen von LMBV und Leag, vom Finsterwalder Institut für Bergbaufolgelandschaften und der BTU Cottbus-Senftenberg sowie Bergakademie Freiberg und IBA müsse gebündelt werden. Diese Mühe sei unerlässlich.

"Eine Transfer-Agentur könnte die internationale Vermarktung der Bergbausanierung übernehmen", schlägt der Ex-Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land (siehe Infobox) vor. Die in Gründung befindliche Wirtschaftsregion Lausitz GmbH könnte, so Kuhn, diesen Part spielen.

Zum Thema:
Im Jahre 2009 waren 207 Experten aus 25 Ländern zur IBA ins Lausitzer Seenland gekommen. Sie haben auf der internationalen Konferenz "Chance: Bergbau-Folge-Landschaft" Erfahrungen im Umgang mit der Gestaltung von Landschaft nach dem Bergbau ausgetauscht. Zum Ende der IBA 2010 ist eine Lausitz-Charta vorgelegt worden, die Erfahrungen widerspiegelt: von Beispiel geben, Ressourcen nutzen, Identität stiften, Planungshorizont weiten und Prozess gestalten über Kreativität und Innovation zulassen, Bilder erzeugen, Transparenz sichern, Organisationsstruktur aufbauen bis Verantwortung übernehmen.