Die Organisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes wird in Brandenburg mehr und mehr zum Problem. "Die niedergelassenen Ärzte im Land behandeln heute 10 bis 15 Prozent mehr Patienten als der bundesdeutsche Durchschnitt", sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburgs (KVBB), Christian Wehry. Während bundesweit im Schnitt 1541 Einwohner auf einen Hausarzt kämen, seien es in Brandenburg 1624 pro Mediziner. "Daher ist der Bereitschaftsdienst gerade in der Fläche, in der vergleichsweise weniger Ärzte tätig sind, eine große Herausforderung."

Zum ärztlichen Bereitschaftsdienst ist laut KVBB fast jeder der über 3600 Ärzte verpflichtet, der in der ambulanten medizinischen Versorgung tätig ist. Über 67 Jahre alte Kollegen könnten sich auf Antrag befreien lassen.

Die Gynäkologin Renate Höhne aus Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) hat vier bis fünf Mal im Quartal Bereitschaftsdienst, oft an Wochenenden. Manchmal müsse sie bis zu 30 Kilometer zu Patienten fahren, sagt sie. Zum Glück habe es in jüngerer Zeit nicht allzu viele Notfälle gegeben. Bei lebensbedrohlichen Verletzungen werde sowieso der Rettungsdienst gerufen.

Unzureichende Vergütung der ambulant tätigen Mediziner in ländlichen Gebieten und das zunehmend geringere Interesse, sich dort niederzulassen, führten automatisch zu Versorgungsengpässen, kritisiert der Präsident Bürgerinitiative Gesundheit, Wolfram-Arnim Candidus. Die Probleme könnten nur durch strukturelle Anpassungen der Gesundheitspolitik gelöst werden. "Wir schlagen eine Förderung der Mediziner vor, die im ländlichen Bereich arbeiten sollen", sagt er.

"Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst wird in Sachsen flächendeckend als Fahrdienst vorgehalten und das ist auch unser Ziel für die Zukunft", sagt Klaus Schumann von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Weiße Flecken auf der Bereitschaftsarzt-Landkarte soll es nicht geben. Allerdings weiß auch die KVS um die Problematik des demografischen Wandels. "Hohe Dienstfrequenzen im Bereitschaftsdienst können auch ein Grund sein, dass potenzieller Nachwuchs sich gegen eine eigene Praxis entscheidet." Deshalb bemühe sich die KVS, einzelne Ärzte im Bereitschaftsdienst nicht zu überlasten.

Erreichbar ist der Bereitschaftsdienst über die einheitliche Rufnummer 116117. In Sachsen alleine gehen dort im Monat rund 11 000 Anrufe ein.

Ein Ansatz zur Lösung sind sogenannte KV-RegioMed-Bereitschaftsdienstpraxen, wie es sie mittlerweile beispielsweise in Potsdam, Cottbus, Brandenburg/Havel, Eberswalde und Rüdersdorf gibt.