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BER: Vor Terminalabnahme keine Kapazitätserweiterung

Abgeordnete des Brandenburger Landtags waren gestern auf der BER-Baustelle unterwegs.
Abgeordnete des Brandenburger Landtags waren gestern auf der BER-Baustelle unterwegs. FOTO: B90/Grüne/Vogel
Schönefeld. In orangenen Warnwesten kletterten die Abgeordneten durch das Terminal: Zum ersten Mal seit 2013 hat der Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags am Montag die Baustelle des Großflughafens besichtigt. Doch obwohl Ausschusssitzungen im Landtag in der Regel öffentlich stattfinden, waren Journalisten zu dem Termin nicht zugelassen – ähnlich, wie schon im Jahr 2013, als die CDU aus Protest dagegen sogar eine Pressekonferenz in einer benachbarten Tankstelle abhielt. Benjamin Lassiwe

Hinterher allerdings berichteten die Abgeordneten von neuen Erkenntnissen. "Die Flughafengesellschaft hat deutlich gesagt, dass es keine Bauarbeiten für eine Kapazitätserweiterung des Terminals geben wird, bevor die heutige Baustelle nicht komplett abgenommen ist", sagte der stellvertretende Vorsitzende des BER-Ausschusses, Rainer Genilke (CDU) der RUNDSCHAU nach der Führung. "Das war in dieser Form eine neue Aussage." Zudem sei offen über die Probleme mit der Entrauchungsanlage berichtet worden. "Dort sind jetzt 24 neue Öffnungen in der Decke des Terminals geplant, dazu vier zusätzliche Schornsteine", sagte Genilke. Im Terminal selbst stünden vielfach die Decken offen. "Man zieht jetzt überall neue Kabelkanäle ein", so Genilke. Damit sei die Flughafengesellschaft derzeit zu 63 Prozent fertig.

An der Baustellenvisite hatten laut Genilke alle Fraktionen des Landtags außer der AfD und der Gruppe von "BVB/Freie Wähler" teilgenommen.

Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Axel Vogel, sprach gegenüber der RUNDSCHAU von einem "mitleidslosen Bild der Lage", das der Technikchef der Flughafengesellschaft Jörg Marks, "schonungslos" präsentiert habe. "Es wurden in der Vergangenheit so viele technische Fehler gemacht und Fehlentscheidungen getroffen, dass der Zeitplan einer Eröffnung erst im 2. Halbjahr 2017 wohl realistisch ist." Mit der Fertigstellung der Brandschutzanlage könne demnach nicht begonnen werden, bevor zwei nachträgliche Bauanträge genehmigt würden.

"Es ist noch einmal deutlich geworden, wie fehlerhaft am BER gebaut wurde", bilanzierte Vogel. "Und dass Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD) allen Beteiligten jahrelang Sand in die Augen gestreut haben."

Unterdessen wird in Potsdam über die weitere Finanzierung des Großflughafens diskutiert. Einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten zufolge soll das Land nun doch 1,1 Milliarden Euro als Kredit an die Flughafengesellschaft geben. Regierungskreise wollten das am Montag allerdings nicht bestätigen.

Zum Thema:
Am neuen Hauptstadtflughafen wird es vor Juli keinen neuen Aufsichtsratschef geben. Der Vizevorsitzende des Gremiums, Rainer Bretschneider, hat die für den 8. Mai geplante Sitzung abgesagt, wie ein Flughafensprecher sagte. Das Gremium wolle seinen Sitzungsturnus normalisieren. Üblich seien vier Sitzungen im Jahr. Als neuer Termin ist nun der 3. Juli vorgesehen. Noch im März hatte Bretschneider angekündigt, das Kontrollgremium werde im Mai auf mehreren Posten neu geordnet.