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BER und Lausitzer Langzeit-Projekte: Woran hapert es?

Still ruht der See, und weiß liegt der Schnee: der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld. Eines der Langzeit-Bauvorhaben der Region.
Still ruht der See, und weiß liegt der Schnee: der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld. Eines der Langzeit-Bauvorhaben der Region. FOTO: dpa
Berlin/Cottbus. Am künftigen Hauptstadtflughafen BER tauchen immer weitere Schwierigkeiten auf. Neuestes Problem: fehlerhafte Türen und eine mangelhafte Sprinkleranlage. Doch der BER ist nur eines von vielen Langzeit-Projekten in der Lausitz. Woran liegt es, dass man sich mit großen Bauvorhaben oder Infrastrukturprojekten so schwer tut? Die RUNDSCHAU befragte 1200 Leser zum Thema. Rüdiger Hofmann

Warum scheitern immer wieder große Bauvorhaben an Planung, Zeit und Kosten? Die RUNDSCHAU fragte 1200 Leser, wer die Schuld trägt und warum es in anderen Ländern besser läuft.

Trotz aller Hiobsbotschaften zum künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld haben die Lausitzer den Glauben an den BER noch nicht verloren. Knapp zwei Drittel denken, dass er irgendwann öffnen wird. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass das noch in diesem Jahrzehnt der Fall sein wird. Top-Antwort: 2018 - sagen 53 Prozent. Jeder Fünfte erwartet 2019 die Eröffnung.

Doch woran liegt es, dass sich die Eröffnung immer wieder verschiebt? Die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Umfrage sehen als Hauptgrund "falsche Manager" (sagt jeder Dritte) und "unfähige Bauplaner" (meint jeder Vierte). Die Landespolitik sei für dieses Desaster verantwortlich - sagen 15 Prozent der Befragten. Jeder Zehnte hält eine falsche Flughafenaufsicht für den Grund. "Der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag und stellt dann hohe Nachforderungen", sagt ein Leser.

Immerhin fast 80 Prozent erachten die Planung eines BER-Flughafens als notwendig. "Die Bundeshauptstadt braucht einen neuen, international konkurrenzfähigen Flughafen. Steigende Fluggastzahlen verlangen das", so eine Leserin. Schönefeld und Tegel seien für den Zuwachs an Fluggästen zu klein geworden. Und ein anderer Leser sagt: "Der bisher größte deutsche Flughafen in Frankfurt/Main kann keinen Ersatz für Berlin darstellen. Zu jeder Weltmetropole mit Regierungssitz gehört ein internationaler Flughafen, der auch in der Struktur auf das wachsende Flugaufkommen der Zukunft ausgerichtet ist."

Kritiker bemängeln eine falsche Standortwahl. "Ein Fehler ist, dass der Flughafen nicht in Sperenberg gebaut wurde. Dadurch entstanden zusätzliche Kosten für den Lärmschutz, und ein 24-Stundenbetrieb des Flughafens ist nicht möglich", sagt ein Leser.

Profitiert die Lausitz vom BER?

Doch profitiert die Lausitz letztlich vom BER? Der Flughafen wird kaum Auswirkungen auf die Lausitz, sondern eher auf das unmittelbare Berliner Umfeld haben, sagen knapp 75 Prozent.

Ob nun Millionen-Vorhaben wie der BER oder aber Lausitzer Projekte wie der Ausbau des Blechen-Carrés in Cottbus (Hickhack um einen Investor), die geplante Ortsdurchfahrt in Dahme (Landkreis Teltow-Fläming, zieht sich seit Mitte 2014), der Bahnstreckenausbau Berlin - Dresden (mehrere Monate Verzug) oder der dreistreifige Ausbau der B 169/96 von Sedlitz bis zum Abzweig B 156, bei allen Projekten knirscht es in irgendeiner Form, was zeitliche Planung und ursprünglich dafür vorgesehene Mittel anbelangt. Was läuft schief in der Region oder generell in Deutschland bei großen Bauvorhaben? In erster Linie sind es die Dumpingpreise bei den Ausschreibungen, sagt jeder Dritte. Oder aber ein fehlender Generalauftragnehmer. Mehr als 70 Prozent der Leser halten es für zwingend notwendig, dass sich ein Generalauftragnehmer um die Umsetzung solcher Projekte kümmert. So könnten künftig auch ausufernde Zeitpläne und Kosten verhindert werden. "Ohne exakte Planung, einen Generalauftragnehmer und eine perfekte Zusammenarbeit zwischen Planern, Architekten, einer Generalaufsicht und den Landesbehörden laufen alle Großprojekte finanziell und zeitlich aus dem Ruder", sagt eine Leserin.

Zu harte Bauvorschriften

Materialkosten würden explodieren, weil Ausschreibungskosten völlig unrealistisch seien. "Bauausführende Unternehmen werden nicht in Regress genommen, wenn sie Pfusch oder riesige Zeitverzögerungen zu verantworten haben", ergänzt ein Leser. Hinzu kämen strenge Bauvorschriften und undurchsichtige bürokratische Vorgänge.

Und warum klappt es nun in anderen Ländern besser bei der Umsetzung solcher Bauvorhaben? Und vor allem schneller?

Strenge Genehmigungsverfahren

Weil kein anderes Land so strenge Bauvorschriften hat wie Deutschland, sagt jeder Vierte der Befragten. Hinzu kommt ein kompliziertes Genehmigungsverfahren, was oft zu hohen Auflagen führt, meint jeder Fünfte. "Weil in Deutschland jede Person gegen Bauvorhaben klagen kann, wenn sie ihr Privatinteresse durch öffentliche Baumaßnahmen eingeschränkt sieht, oder weil die Grünen glauben, die Ruhe eines Frosches oder einer Fledermaus wird durch ein Bauvorhaben gestört", so ein Leser. Öffentliche Interessen müssten vor Privatinteresse stehen. "In Ländern wie China, Russland oder arabischen Ländern wird mit politischem Willen an der schnellen Umsetzung von Bauvorhaben gearbeitet", sagt eine Leserin.

Wiederum andere bemängeln, dass in Deutschland zu wenige Fachleute eingesetzt würden und die meisten der an den Projekten beteiligten Politiker keine Fachkompetenz besitzen. "Am Ende eines ausufernden Projektes wird kaum einer zur Rechenschaft gezogen", äußerte sich einer der Befragten.

Zum Thema:
Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat ein Umfrage-Center ins Leben gerufen, um mehr über die Meinung der Lausitzer zu wichtigen und aktuellen Themen zu erfahren. Abrufbar ist es unter umfrage.lr-online.de. Wir befragten unsere Leser bereits zur Flüchtlingsdebatte, zum Strukturwandel im Bergbau, zum VW-Abgasskandal und zu den Lausitzer Wölfen. Mit der Teilnahme an Befragungen können wertvolle Prämienpunkte gesammelt und gegen Einkaufs-Gutscheine getauscht werden. Das Mitmachen ist kostenlos: Man lässt sich über eine Basisumfrage registrieren, erhält ein Passwort und ist exklusives Mitglied. Diskutieren Sie mit!