Herr Danckert, Sie waren von Anfang an gegen den Standort Schönefeld und für die damals heiß diskutierte Alternative Sperenberg. Sind die jetzigen Probleme eine Art später Genugtuung?
Nein, dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um auf solchen Ansichten zu beharren. Wir sehen zwar heute, dass es am Standort Schönefeld viel schwieriger ist, als es in Sperenberg gewesen wäre, vor allem, was den Lärmschutz betrifft. Wir sehen auch, wie wenig ein Planfeststellungsverfahren geeignet ist, um die Interessen der Bürger zu berücksichtigen, wie viele Interessenskonflikte, auch der Ministerien, es gibt. In den ersten Untersuchungen der Standorte wurde Sperenberg als der am besten, Schönefeld als der am schlechtesten geeignete ausgewiesen. Trotz alledem wurde damals so entschieden, falsch aus meiner Sicht, aber entschieden.

Wann war Ihnen klar, dass es ernsthafte Probleme geben würde, den geplanten Eröffnungstermin zu halten?
Im Sommer 2010, als die erste Terminverschiebung lief - damals von Oktober 2011 auf Juni 2012 - habe ich mir schildern lassen, wie es vor Ort aussieht. Mir wurde berichtet, dass totales Planungschaos herrscht. Demnach passte kein Plan zum anderen, es gab keine Ordnung. Fachleute sagten mir, es würde Monate dauern, um Ordnung hineinzubringen. Ich schloss daraus, dass es mit dem Flughafen sehr viel später wird - und sehr viel teurer. Am 14. Oktober 2010 sagte ich das auch öffentlich.

Sie sind seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 1975 Mitglied der SPD. Sie saßen in verschiedenen Ausschüssen, kennen die handelnden Personen, auch Matthias Platzeck und Klaus Wowereit, beide ebenfalls in der SPD, persönlich. Sie gelten vielen als politisches Schwergewicht, als jemand, dessen Meinung ernst genommen wird. Und selbst Sie sind in diesem Punkt nicht gehört worden?
Ja. Es wollte keiner sehen und hören. Ich habe den verantwortlichen Referatsleiter in der Staatskanzlei in mehreren Gesprächen darauf aufmerksam gemacht; es wurden Termine mit Fachleuten vor Ort organisiert. Diese warnten: Ihr müsst aufpassen, das klappt so nicht. Matthias Platzeck habe ich im Januar 2011 persönlich informiert und gewarnt, Klaus Wowereit über einen Fachmann. Es hat viele Warnungen gegeben.

Stattdessen wurden die Warner als Unkenrufer und Nestbeschmutzer verschrien.
Ja, genau. Aus heutiger Sicht denke ich, dass doch auch Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden müssen.

Ist der Flughafen überhaupt noch zu retten?
Am Ende ist das eine Frage des Geldes. Der Bund hat jetzt beschlossen, 312 Millionen zusätzlich zu geben, hat diese aber gesperrt und offiziell an die Bedingung geknüpft, dass die Länder auch etwas zuschießen. Wir hatten uns als SPD im Haushaltsausschuss dagegen positioniert, denn damit ist die Realisierung von Schallschutzmaßnahmen gefährdet. Es gibt ohnehin Gerüchte von Zahlungsunfähigkeit - und auch das wird noch ein Thema werden. Inoffiziell aber ist die Frage der Weiterbeschäftigung von Flughafenchef Rainer Schwarz das entscheidende Thema für den Bund. Ich denke, wenn er bleibt, wird es ein Problem geben. Dass er nicht selbst den Rückzug anbietet, ist mir unbegreiflich, ebenso, dass der Aufsichtsrat nicht handfest agiert.

Bei alledem erscheint die Befürchtung, dass aus dem Flughafen eine Investruine wird, nicht vom Tisch.
Ich glaube nicht, dass er das wird. Aber die 1,2 Milliarden zusätzlich werden auch wieder nicht reichen. Und all das hat Auswirkungen auf die Rentabilität des Flughafens, der sich über Mieteinnahmen und Flughafengebühren finanziert. Zu hoch können diese bei der Konkurrenz anderer Airports nicht werden, sonst steigen die Fluggesellschaften aus.

Hat denn Air Berlins Klage Aussicht auf Erfolg?
Das wird nicht so ganz einfach sein. Die Fluggesellschaft muss belegen, wie sich der Schaden zusammensetzt. Aus meiner Sicht sind es mehr die ganzen Ausein-andersetzungen, die das Umfeld belasten. Die Klagen halte ich eher für Nebengeräusche. Viel gravierender ist, dass das ganze Image der Region beschädigt wird.

Also Wasser auf die Mühlen derjenigen, die sagen: Berlin/Brandenburg kann keine Großprojekte?
Von Weitem betrachtet ja, auch wenn ich das jetzt nicht auf alle Großprojekte anwenden würde.

Außer ganz viel Geld - was bräuchte es noch zur Rettung des Flughafens?
Eine zeitliche Perspektive, die man offen halten sollte, die aber auf jeden Fall realistisch ist. Am 8. Mai saßen Platzeck und Wowereit da mit betretenen Gesichtern und Scham, taten so, als wüssten sie von nichts - und als dann jemand fragte, wann der neue Eröffnungstermin sein sollte, sagte Platzeck wie aus der Pistole geschossen: Zweite Augusthälfte. Wer hat ihm das gesagt?, wundere ich mich. Ich könnte mir vorstellen, dass es Zeit wäre, eine gestandene Person aus der Wirtschaft zu holen, die nicht durch andere Aufgaben gebunden ist. Dazu Fachleute und ein engmaschiges Netz aus Wirtschaftskundigen. Alle müssen bereit sein, die Zeit aufzubringen, sich mit der Sache intensiv auseinanderzusetzen. Das ist bei Platzeck und Wowereit doch gar nicht möglich, und das ist auch kein Vorwurf. Aber so etwas sollte man vorher einschätzen können.