Wilfried G. machte den Anfang. Der 62-jährige Ex-Geschäftsführer einer Rohrleitungsfirma aus Königs Wusterhausen räumte vor dem Landgericht Cottbus ein, dem damaligen Chef des Märkischen Abwasser- und Wasserverbandes Wolf-Peter A. die Sanitärausrüstung für sein Privathaus und einen Hotelgutschein für ein Wochenende zu zweit in der noblen Burger "Bleiche" zur Verfügung gestellt zu haben.

Doch das sei ohne Gedanken an eine bevorzugte Auftragsvergabe geschehen. Dass er sich die Sanitärtechnik für mehrere Tausend Euro nicht habe bezahlen lassen, sei "ein Fehler" gewesen.

Doch erhebliche Barzahlungen an den Ex-Verbandschef, die ihm die Anklage vorhält, weist er weit von sich. Ebenso jede Absprache über Aufträge, wie den, der im Mittelpunkt des Vorwurfes der Staatsanwaltschaft steht.

Dabei ging es um die Verlegung von Wasser- und Abwasserrohren am Rande des Berliner Flughafenbaus in Schönefeld. Auftragsvolumen: mehr als fünf Millionen Euro.

Wolf-Peter A., ehemaliger Chef des Wasserverbandes, der diese und viele andere Aufträge vergab, übertrifft den Ex-Chef der Rohrbaufirma beim Fehler zugeben vor Gericht. Von "großen Fehlern" spricht er, die er "zutiefst bereut". Doch korrupt, wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, will auch er nicht sein.

Dass er die Sanitärausstattung seines Hauses bei der Firma des mit angeklagten Wilfried G. nicht bezahlt habe, sei "in stiller Übereinstimmung" geschehen, ohne Absprachen und Gegenleistungen. Dass er, als die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft begannen, die Sanitärausstattung ausbauen und schnell zur Rohrbaufirma habe zurückbringen lassen, sei dann ein noch größerer Fehler gewesen, als vorher nicht zu bezahlen. "Ich hatte Angst vor dem Ansehensverlust", sagte er vor Gericht.

Der ehemalige Verbandschef gab auch zu, dass eine örtliche Baufirma, die ebenfalls Geschäftsbeziehungen zum Wasserverband hatte, für ihn erhebliche Bauleistungen ohne Bezahlung erbrachte: Bodenplatte, Zaun, Treppengeländer, zwei Fenster. Der Bauunternehmer, mit dem er befreundet ist, habe dadurch die Möglichkeit gehabt, "in ein neues Geschäftsfeld einzusteigen". Diese Erklärung gibt auch der ebenfalls angeklagte Bauunternehmer später über seine Anwältin ab.

"Es war absolut falsch, die Leistungen nicht bezahlt zu haben", bereut Ex-Verbandschef Wolf-Peter A. vor Gericht. Und eine frei erfundene schriftliche Erklärung über einen angeblichen Kredit, mit dem die Arbeiten verrechnet wurden, sei eine noch größere Dummheit gewesen. Aber mit Korruption habe auch das nichts zu tun gehabt, versichert er.

Ob die drei Angeklagten mit ihren Erklärungen über Fehler, Freundschaften und begangene Dummheiten das Gericht überzeugen können, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten herausstellen. In zwei Wochen wird der Prozess fortgesetzt.