Die Nachricht schlug am gestrigen Montagnachmittag ein wie eine "Bombe". Hartmut Mehdorn will nicht mehr Chef des BER sein. Er habe dem amtierenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates,
Rainer Bretschneider, mitgeteilt, dass er sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung
niederlegen wird, hieß es in einer Mitteilung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg
(FBB). Gleichzeitig bot Mehdorn dem Aufsichtsratsvorsitzenden an, seine Aufgaben bis zur Findung eines Nachfolgers, spätestens aber Ende Juni kommenden Jahres, weiterzuführen.

Mit diesem Schritt Mehdorns hatte nach der Aufsichtsratssitzung vom Freitag am Motzener
See kein Beobachter ernsthaft gerechnet. Damit wurde die 125. Aufsichtsratssitzung zum Showdown zwischen dem BER Geschäftsführer und dem Aufsichtsgremium.

"BER soll im zweiten Halbjahr 2017 eröffnen". Das war, bildlich gesprochen, der "blutige Knochen" auf den sich die Öffentlichkeit gierig stürzte.

Im Windschatten dieser Neuigkeit traf der Aufsichtsrat dann aber die Entscheidungen, die bereits
im Vorfeld der Sitzung für einiges Aufsehen gesorgt hatten. Und so beschlossen die BER Aufseher die Geschäftsführung künftig von externen Kontrolleuren überwachen zu lassen. Mehdorn musste schlucken, was er wenige Tage davor schon heftig als Misstrauensbeweis gegen die Geschäftsführung kritisierte. Schon da hatten die Spekulationen um seinen Rückzug begonnen.

Rote Linie überschritten


So richtig ernst genommen hat da Mehdorns Muskelspiele aber noch niemand. Bisher galt er als harter Kämpfer, der sich nicht so leicht aus dem Ring werfen lässt. Offenbar war mit dem externen Controlling aber für Mehdorn doch eine rote Linie überschritten. Dazu kamen Spekulationen über Gespräche mit möglichen Nachfolgern. Die waren dann halbherzig
dementiert und möglicherweise im letzten Moment erst wieder abgesagt worden.

Auch Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium ließ sich am
Freitag nur mit dem Satz zitieren: "Wir habe einen Vorsitzenden (der Geschäftsführung) und das ist unser Mann, bis etwas anderes entschieden wird." Rückendeckung sieht anders aus.

Hinzu kam die Tatsache, dass sich keiner der Gesellschafter eindeutig für die Verlängerung von
Mehdorns Anstellungsvertrag über den Februar 2016 hinaus ausgesprochen hatte.

Tatsächlich bröckelte die Sympathie für Mehdorn in den Entscheidergremien spürbar. Immer
mehr Aufsichtsratsmitglieder waren in letzter Zeit genervt von den Allüren des schillernden BER Chefs, der mit immer neuen und spektakulären Vorschlägen für Schlagzeilen sorgte. Doch sein eigentliches Projekt, der BER, schien kaum voran zu kommen.

Mehdorn selbst sieht das anders: "Für mich schließt sich mit der Entscheidung für das Terminband zweites Halbjahr 2017 vom vergangenen Freitag ein Kreis", stellte Mehdorn am gestrigen Montag in der Mitteilung über seinen Rückzug mit. Als er im März 2013 den Posten übernommen habe, hätten Chaos und Stillstand auf der Baustelle geherrscht.
Inzwischen sei die Baustellenorganisation geordnet, die technischen Kernfragen seien entschieden und ein neues Managementteam für BER und FBB an Bord.

Mit Hartmut Mehdorns angekündigtem Rückzug entsteht im Zusammenhang mit der BER-Geschäftsführung eine groteske Situation. Denn die Aufsichtsräte akzeptierten in Motzen auch, dass die Flughafengesellschaft keine Berufung gegen das Urteil zur missglückten Entlassung des ehemaligen Flughafenchefs Rainer Schwarz einlegen wird.

Gehalt noch bis Mai 2016


Damit steht Rainer Schwarz noch bis Mai 2016 auf der Gehaltsliste des BER und bekommt bis dahin 1,134 Millionen Euro von der Flughafengesellschaft überwiesen. Damit hat er zwei seiner
Nachfolger - Horst Amann und Hartmut Mehdorn - überlebt. Allerdings bestätigte das Berliner
Landgericht gestern, dass die FBB, nach RUNDSCHAU-Informationen allerdings aus formaljuristischen Gründen, doch Berufung eingelegt hat.

So absurd es klingt, ist das für das Unternehmen tatsächlich noch die preiswerteste Lösung. Hätte ein Gericht nämlich Rainer Schwarz Managerfehler attestiert, hätten sich alle Schadenersatzforderungen von Airlines, Gewerbemietern und anderen Betroffenen darauf stützen können. Der Flughafen hätte dann möglicherweise Schadensersatzforderungen von rund 31 Millionen Euro bedienen müssen. Bisher ist erst ein Schadenersatz in einstelliger Millionenhöhe wegen der Eröffnungsabsage geflossen.