Zu beneiden sind sie nicht, die 25 000 Einwohner von Blankenfelde-Mahlow. Ruhe und ein Häuschen im Grünen hatten die meisten von ihnen gesucht, als sie an den Berliner Stadtrand zogen. Um bemerkenswerte 10 000 Einwohner ist die Gemeinde in den zurückliegenden zwanzig Jahren gewachsen.

Tatsächlich wird ihnen der künftige Hauptstadtflughafen gewaltig in den Ohren liegen. Jeder Start und jede Landung auf der neuen BER-Nordbahn wird in Blankenfelde-Mahlow zu einem unüberhörbaren Ereignis werden. Der Flughafen ist so konzipiert, dass in Spitzenzeiten landende Flugzeuge im Vier-Minuten-Takt über den Ort donnern könnten.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte die Abflugrouten über die Gemeinde weitgehend bestätigt. Es untersagte aber, dass nachts von 22 bis 6 Uhr abfliegende Jets über den Ort donnern dürfen. Damit gilt über den Dächern von Blankenfelde-Mahlow faktisch das schärfste bislang geforderte Nachtflugverbot.

Die Flugrouten über Blankenfelde waren ausgewählt worden, weil sie weniger Menschen beeinträchtigen als mögliche Alternativen.

Aber jetzt sieht es danach aus, als müsste das Leipziger Bundesverwaltungsgericht erneut über Flugrouten am BER entscheiden. Der Fluglärmbeauftragte der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, Alexander Fröhlich, kündigte nämlich an, dass die Gemeinde nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg in Revision gehen will. Die unmittelbar an den Flughafen angrenzende Gemeinde will mit ihrer Revision in Leipzig erreichen, dass auch tagsüber keine Flüge über ihre Wohnbebauung starten dürfen.

In der Potsdamer Landespolitik wurde das Urteil am Freitag weitgehend begrüßt. "So ein Signal für die am meisten betroffene Gemeinde erfüllt mich mit Freude", sagte die Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Potsdamer Landtag, die Linken-Abgeordnete Kornelia Wehlan, der RUNDSCHAU. Die Politikerin, die kürzlich zur Landrätin des auch Blankenfelde-Mahlow umfassenden Landkreises Teltow-Fläming gewählt wurde, sprach von einem positiven ersten Schritt. "Das Grundübel" für sie aber ist, "dass der Flughafen am falschen Standort entsteht", so Wehlan.

Denn durch die nun nötige Neuplanung der nächtlichen Abflüge würden andere Orte betroffen. "Die Eröffnung des Flughafens rückt dadurch sicher nicht näher", sagte der Teltower Landtagsabgeordnete und Fluglärmgegner Hans-Peter Goetz (FDP). Die Nordumfliegung von Mahlow und Blankenfelde führe dazu, dass neue Gemeinden neue Klagebefugnisse erhielten.

Ähnlich äußerte sich auch der CDU-Verkehrspolitiker Rainer Genilke. "Wir hatten als Fraktion ja eine generelle Nachtruhe von 23 bis 6 Uhr vorgeschlagen", so Genilke. "Wir brauchen ein anderes Flugregime, das zum Beispiel im Vorfeld festlegt, an welchen Tagen nachts auf welcher Bahn abgehoben wird, damit sich die Anwohner darauf einstellen können."

Derweil kündigte zwei Tage vor der Bundestagswahl die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, die Potsdamer CDU-Abgeordnete Katherina Reiche, an, dass die Bundesregierung nun ihrerseits "alternative Betriebskonzepte" für den Flughafen BER prüfe, wozu auch alternative Flugrouten gehörten. Ein Ergebnis soll aber erst im kommenden Jahr vorliegen.