Es ist seit Monaten immer das gleiche Ritual. Einige Tage, ehe sich die Aufsichtsräte des Pannenflughafens BER versammeln, bereitet der sogenannte Projektausschuss die Sitzung vor.

In diesem erlauchten, kleinen Gremium sitzt neben dem (scheidenden) Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD), dem Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) auch Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium. Der Projektausschuss stellt traditionell die Weichen für die bevorstehende Aufsichtsratssitzung.

Dabei zeichnet sich ab, dass die Flughafengesellschaft künftig stärker von externen Experten kontrolliert werden soll.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg hätten das externe Controlling beschlossen. Dabei bleibe es.

Es solle die Effektivität der Mechanismen, der Abläufe und der Berichterstattungswege innerhalb der Flughafengesellschaft geprüft werden. Außerdem würden die Auftragsvergabe und das Kostenmanagement untersucht. Gegen diese Art der externen Kontrolle indes wehrt sich Flughafenchef Hartmut Mehdorn offenbar massiv.

Nach Informationen des Berliner "Tagesspiegel" hat sich Mehdorn in einem Brief an den scheidenden Aufsichtsratschef Klaus Wowereit über eine bevorstehende Prüfung von Dokumenten des Hauptstadtflughafens beschwert.

Insgesamt elf Unternehmensberater sollten in der Flughafengesellschaft alle entscheidenden Unterlagen der Jahre 2013 und 2014 unter die Lupe nehmen.

"Der Vorgang übertrifft aber alles, was man sich vorstellen kann", schrieb Mehdorn offenbar am 1. Dezember an Wowereit. Er habe angewiesen, dass vor einem förmlichen Aufsichtsratsbeschluss "keinerlei Unterlagen aus unserem Haus (...) herausgegeben werden dürfen", teilte der Flughafenchef mit. Dieser Beschluss dürfte Hartmut Mehdorn und seine Mannschaft in Schönefeld am kommenden Freitag aber auf jeden Fall ereilen.

Denn nicht nur der Bundesverkehrsminister setzt auf mehr Sachverstand bei der Überwachung des BER-Desasters. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte nach der Landtagswahl angekündigt, dass statt Politikern mehr Sachverständige den BER überwachen sollten.

Zu Spekulationen, Brandenburg werde Finanzminister Christian Görke und Ex-Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (beide Linke) aus dem Aufsichtsrat zurückziehen, sagte Woidke: "Ich habe bestimmte Dinge im Kopf - aber die sind noch nicht spruchreif."

Als sicher gilt, dass Ralf Christoffers das Gremium verlässt, weil er kein Minister mehr ist. Und sehr wahrscheinlich ist, dass die durchsetzungsstarke Brandenburger Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (Linke) für Görke in den Aufsichtsrat rückt.

Und noch eine "Kröte" muss Flughafenchef Hartmut Mehdorn schlucken. Er erhält erst Mitte Dezember Gewissheit über die geplante Sanierung der Start- und Landebahn Nord in Schönefeld. Erst dann will die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlins und Brandenburgs entscheiden, ob der Schallschutz für die Anwohner ausreicht. Sie hatte den Bescheid eigentlich für Anfang Dezember angekündigt und auch eine Verschiebung der notwendigen Sanierung ins Gespräch gebracht.