Mit ihrem Anschlag in Tel Aviv fordern militante Palästinenser ihren neuen Präsidenten Mahmud Abbas heraus. Knapp drei Wochen nach dem Beginn der Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern stellt das Attentat vom Freitagabend, zu dem sich der Islamische Dschihad bekannte, den Friedenskurs von Abbas auf eine schwere Belastungsprobe. Nachdem am Strandboulevard von Tel Aviv vier Israelis getötet worden sind, fordert Israel ein hartes Durchgreifen. Die Regierung übergab den Palästinensern eine Liste mit Gesuchten, die verhaftet werden sollen.

"Sabotage von dritter Seite"
Der als Abu Masen bekannte Abbas spricht nach dem tödlichen Bombenanschlag von "Sabotage", die von "dritter Seite" komme. Denn das Attentat ist auch eine Kampfansage an ihn selbst. Erst im Januar war er zum Nachfolger des gestorbenen Jassir Arafat gewählt worden und hatte die wesentlichen Palästinensergruppen nach zähem Ringen zu einem Verzicht auf weitere Gewalt gegen Israel verpflichtet. Das soll nun neue Verhandlungen und die internationale Unterstützung für einen Palästinenserstaat ermöglichen.
Dabei gerät er aus dem militanten palästinensischen Exil heraus nun unter Störfeuer. Ein zur Führung des Dschihad gehörender Palästinenser erklärte die Waffenruhe mit Anrufen in der syrischen Hauptstadt Damaskus für beendet. "Israel hat sich nicht an die Phase des Friedens gehalten", sagte der Mann, der sich Abu Tarik nannte. Er wies auf die Zahl der von Israel getöteten Palästinenser hin und kündigte an, jede Gewalt Israels werde mit Rache beantwortet.
Aber auch innerhalb des Islamischen Dschihad scheint das Attentat umstritten. Mit Bekennererklärungen und Dementis gingen Anführer der Organisation nach der Tat an die Öffentlichkeit. "Die Vertreter in Gaza fühlen sich Abu Masen verpflichtet, dem sie die Waffenruhe versprochen haben", sagt ein palästinensischer Beobachter in Gaza. "Das Attentat wurde offenbar aus dem Exil heraus geplant, ohne die örtlichen Anführer einzubinden."
Der aus dem Westjordanland stammende Attentäter Abdullah Badran (21) wurde nach dieser Version aus dem Ausland angeworben.
Das palästinensische Hauptquartier hielt sich aber auch gestern mit konkreten Beschuldigungen zurück. Die Hintergründe der Tat würden untersucht, sagte ein Palästinenservertreter in Ramallah. Verhaftungen werde es vorerst nicht geben. Ein für Dienstag in Kairo geplantes Treffen, bei dem Abbas die militanten Organisationen auf eine unbefristete Waffenruhe verpflichten wollte, wurde auf Mitte März verschoben.

Taten gefordert
Israelische Kommentatoren erkannten gestern an, dass Abbas und die Palästinenserführung das Attentat ohne Einschränkungen verurteilten. Nun müsse es Taten geben. "Es wird keinen diplomatischen Fortschritt geben, keinerlei Fortschritt, bis die Palästinenser entschieden handeln, um terroristische Organisationen und ihre Infrastruktur in den Palästinensergebieten zu zerschlagen", sagte der israelische Ministerpräsident Scharon.