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Bekannter "Feuerwerker" sagt Pyrotechnik im Stadion den Kampf an

Der bisher schwerste Zwischenfall mit illegaler Pyrotechnik im Cottbuser Stadion vor einem Jahr. Es gab dabei Verletzte.
Der bisher schwerste Zwischenfall mit illegaler Pyrotechnik im Cottbuser Stadion vor einem Jahr. Es gab dabei Verletzte. FOTO: Beyer
Cottbus. Für einige Fußballfans ist es der ultimative Kick, für andere eine Gefahr und deshalb verboten. Pyrotechnik in Fußballarenen ist das Thema einer Vorlesung heute Abend in Cottbus. Der Referent hofft, dass auch Ultras kommen. Simone Wendler

Der FC Energie Cottbus hat für die Vorlesung heute Abend an der BTU in Cottbus über seine sozialen Netzwerke geworben. "Wir wollen unsere Fans für dieses Thema sensibilisieren", so Stefan Scharfenberg, Fanbeauftragter des Vereins. Eine fachkundige Aufklärung sei notwendig.

Was pyrobegeisterte Fans dabei von Wolfgang Spyra, emeritierter Professor, begeisterter "Feuerwerker" und ehemaliger polizeitechnischer Experte der Berliner Polizei, zu hören bekommen werden, dürfte ihnen kaum gefallen. Denn Spyra stellt klar: "Pyrotechnik im Stadion ist illegal und strafbar".

Die Gründe zeigt er in seinem Vortrag. Temperaturen bis 2500 Grad Celsius in Bengalfackeln. Auch die Schlacke sei glühend heiß. Dazu teils giftiger Rauch, der Lungen und Augen schädigt, und Böller aus Polen und Tschechien, die durch ihren hohen Sprengmittelgehalt ohne Mühe Finger abreißen oder ein Auge vernichten können. Gefährdet seien dabei nicht nur die Verursacher, sondern auch Unbeteiligte.

Wer sich im Internet umsieht, findet Videos, die zeigen, wie schnell Bengalfackeln Kleidung in Brand setzen könne und dass auch Seenotfackeln mit 20 Minuten Brenndauer und besonders großer Flamme in der Szene Begeisterung hervorrufen.

Spyra will deshalb nicht nur aufklären, sondern in einem Forschungsprojekt der Universität zusammen mit Ermittlungsbehörden, Verbänden und Vereinen neue Wege suchen, um noch besser zu verhindern, dass Böller, Rauchbomben und Brandfackeln in die Stadien gelangen. "Nur was nicht da ist, kann nicht abgebrannt werden", so Spyra.

Denn intensivere Kontrollen an den Eingängen reichen offenbar nicht immer aus. Einige Hunderttausend Euro musste der FCE insgesamt in den vergangenen zehn Jahren auch wegen Pyro-Aktionen seiner Anhänger an Strafen zahlen. Vor einem Jahr gab es im Stadion der Freundschaft in Cottbus zwei Verletzte, als im Rang über dem Familienblock Bengalos gezündet wurden, Asche herabfiel und Rauch Menschen in Panik versetzte. Der FCE, versichert Fanbeauftragter Scharfenberg, sei durchaus bemüht, sein Kontrollsystem weiter zu verbessern.

Wie Spyra dem Pyroschmuggel in die Stadien begegnen will, darüber schweigt er sich öffentlich aus. Es gebe jedoch durchaus Ansätze dafür, versichert er. Fest steht jedoch für Spyra, dass Einlasskontrollen allein nicht helfen: "Da greift niemand einem Besucher in den Schritt, und das wäre auch völlig unverhältnismäßig und unakzeptabel."

Der 73-Jährige betont jedoch, dass Pyrotechnik im Stadion kein spezifisch Cottbuser Problem sei, sondern ein bundesweites: "Die Stadt und die Fans sollen auch bei dem Forschungsprojekt nicht an den Pranger gestellt werden."

Dass Feuerwerk Begeisterung auslösen kann, ist gerade Spyra vertraut.

Seit Jahren organisiert er selbst Feuerwerke und berät Veranstalter. Zu seinen Kunden gehört das Hafenfest in Lübbenau. Doch nicht ohne Grund, so Spyra, habe der Gesetzgeber für derartige Vergnügen klare Anforderungen an Abbrenner und Ort des Spektakels gestellt: "Im Stadion ist beides nicht gegeben."

Die Ringvorlesung "Pyrotechnische Bengallichter in Fußballstadien-Kick oder Crime" findet am heutigen Freitag um 17.30 Uhr im Großen Hörsaal der BTU in Cottbus, Zentralcampus Konrad Zuse Straße 4 statt. Der Eintritt ist frei.