Damit spielt er den Schwarzen Peter der Leipziger Uni zu, die zurzeit als einzige Hochschule die Einheit in Frage stellt und sich bisher weigert, den von der Regierung vorgeschlagenen Weg mitzugehen. Der Senat will noch einen größeren Spielraum ausloten, ohne Nachbesserungen müsse man das Papier ablehnen. Heute befasst sich das Rektorat unter Leitung des scheidenden Rektors Volker Bigl und seines designierten Nachfolgers Franz Häuser mit der Vorlage.
Die Leipziger Uni sei im Landesvergleich am schlechtesten mit Haushaltsmitteln ausgestattet, erklärt ihr Sprecher Volker Schulte. So gibt das Land nach Berechnungen der Uni für Sachmittel, Investitionen, Literaturerwerb und Datenverarbeitung sehr unterschiedliche Beträge aus. Pro Student seien es in Leipzig 420 Euro, in Dresden 605, in Chemnitz 625 und in Freiberg 1033 Euro.
Rößler will der Uni Leipzig noch etwas Zeit geben, auch wenn den Magnifizenzen das Angebot seit 13. Dezember vorliege. Offen sei, ob der Konsens scheitere, wenn Leipzig Nein sagt. "Über Alternativen, wenn es keinen Konsens gibt, will ich gar nicht nachdenken", so Rößler. Er machte aber deutlich, dass die Geduld der Staatsregierung erschöpft ist: "Wir sind am Ende der Diskussion und fangen nicht noch mal an." Jetzt sei die Solidarität der Unis gefordert.
Im Gegensatz zu früheren Vorschlägen der Regierung Kurt Biedenkopfs enthält der neue Vertrag klare Vorgaben über die künftige Hochschullandschaft und damit über den Abbau ganzer Fachbereiche. Die acht Punkte sehen vor: 1. Die Juristen-Ausbildung wird in Leipzig konzentriert, die Dresdner Jura-Fakultät geschlossen.
2. Die Ausbildung der Romanisten wird in Leipzig und Dresden konzentriert. 3. Die Ausbildung von Grund- und Mittelschullehrern findet spätestens ab 2005 grundsätzlich in Leipzig statt. 4. Die universitäre Ausbildung von Bauingenieuren wird in Dresden konzentriert und entfällt in Leipzig.
5. Auch die Ausbildung von Wirtschaftsingenieuren wird in Dresden konzentriert. 6. Die Ausbildung in Geophysik, Geologie und Mineralogie geht komplett nach Freiberg und entfällt in Leipzig. 7. Chemnitz und Freiberg kooperieren in Mathematik, den Natur- und Wirtschaftswissenschaften. 8. In Chemnitz werden u. a. die Literaturwissenschaft sowie Wirtschafts- und Sozialgeographie gestrichen.
Damit werden bis 2004 an den Hochschulen 415 Stellen gestrichen, bis 2008 weitere 300. Zusätzlich 300 Stellen stehen dann noch zur Disposition. Im Gegenzug, so betonte Rößler, bekommen die Unis trotz finanzieller Engpässe Planungssicherheit bis 2010 und Freiheiten bei der eigenen Kassenführung. Von weiteren Stellensperren wären sie ausgenommen. Die Unis hätten nun die eingeforderten Strukturvorgaben bekommen, die Politik übernehme im Gegenzug die Verantwortung. Herausgekommen sei ein Kompromiss, der deutliche finanzielle Verbesserungen für die Unis und eine Stärkung der Fachhochschulen bedeute.