Mit einem raffinierten Lichtdesign, elektronischer Geräuschkulisse und einem mystischen Bühnenbild wurde das Publikum von der ersten Sekunde an in die ganz eigene Zauberwelt von Derevo hineingezogen. Ensemblechef Anton Adassinsky gab den Gästen eine Fragestellung im Programmheft mit auf den Weg: "Kann der Mensch alles Überflüssige aus seinem Leben werfen und wieder Teil einer ganzheitlichen Welt werden, in der Sterne und die Zeit wichtiger sind als kurze Menschenleben?"

Die Antwort vornweg: Er kann oder könnte es zumindest. Auch wenn viele Szenen dunkel scheinen, ausweglos und morbid, blitzt im tänzerischen Spiel der sechs Akteure immer wieder Hoffnung auf. Derevo probt in düsteren Zeiten den aufrechten Gang. Die Arche ist gestrandet und liegt als Schiffsgerippe im hinteren Teil des Bühnensandes. "Ketzal, Kapitel 2: Noahs Arche" knüpft an das 2004 entstandene Erfolgsstück "Ketzal" an, das von mexikanischen Mythen handelte. Mit dem neuen Stück landet Derevo in einer mystischen Spätzeit. Ängste, Fantasien und Sehnsüchte der Menschen haben die Zeiten jedoch überdauert.

Derevo (russisch: Baum) entstand 1988 im damaligen Leningrad. Das Ensemble gehört zu den bekanntesten Tanztheater-Compagnien Russlands und genießt den Ruf, eine ganz eigene Ästhetik entwickelt zu haben. Seit 1996 sind die Russen auch in Dresden beheimatet. Auf Festivals in aller Welt erhielt das Ensemble inzwischen Preise. Im August gastiert das Ensemble beim Fringe Festival in Edinburgh.