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Bei Lausitzer Imkern stehen Alarmzeichen auf Rot

Eine Biene steht für bedeutend mehr als Honig. Ohne die kleinen Brummer bekommt der Mensch ein Problem: Denn sie sind als Bestäuber der Kulturpflanzen kaum zu ersetzen.
Eine Biene steht für bedeutend mehr als Honig. Ohne die kleinen Brummer bekommt der Mensch ein Problem: Denn sie sind als Bestäuber der Kulturpflanzen kaum zu ersetzen. FOTO: dpa
Cottbus. Es gibt sie seit Millionen Jahren auf der Erde, und sie sind heute so wichtig wie einst: die Honigbienen. Blütenpflanzen aus der Zeit vor etwa 110 Millionen Jahren weisen laut Wikipedia bereits Merkmale auf, die auf eine Bestäubung durch Bienen schließen lassen, der Ursprung der Bienen liegt damit wahrscheinlich schon vor Mitte der Kreidezeit. Hannelore Grogorick / gro

Und heute noch tragen Bienen in erheblichem Maße zur Erhaltung von Wild- und Kulturpflanzen und deren Erträgen bei, sodass ihre ökologische Bedeutung beträchtlich ist: Bienen zählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern.

So stehen nicht nur bei Imkern die Alarmzeichen auf Rot, wenn diese fleißigen Insekten von einer Seuche hinweggerafft oder bedroht werden. So wie zurzeit im Landkreis Bautzen, wo die Amerikanische Faulbrut (AFB) ausgebrochen ist. Weil im Ortsteil Bröthen der Stadt Hoyerswerda erneut diese Krankheit bei Bienen amtlich festgestellt wurde, ist jetzt sogar der Sperrbezirk um Hoyerswerda erweitert worden. Er umfasst nun das gesamte Stadtgebiet Hoyerswerda sowie die Ortsteile Zeissig, Kühnicht, Dörgenhausen, Bröthen-Michalken und die Ortslage Koselbruch des Orteils Schwarzkollm sowie den Ortsteil Spohla der Stadt Wittichenau.

Außerdem befindet sich ein weiterer Sperrbezirk im komplett unbebauten Gebiet nordöstlich von Hoyerswerda in der Bergbaufolgelandschaft. Die Grenze des kreisförmigen Sperrgebietes wird im Süden und Osten durch den Verlauf der B 97 zwischen Hoyerswerda und Schwarze Pumpe gebildet. Im Nordosten verläuft die Grenze des Sperrbezirkes durch die Mitte des Spreetaler Sees. Nördlich und westlich endet das Gebiet auf unbewaldeten Flächen, auf denen Rutschungsgefahr und Betretungsverbot besteht. Die Amerikanische Faulbrut ist eine gefährliche Erkrankung der Honigbienen und eine anzeigepflichtige Tierseuche. Für das betroffene Gebiet gelten selbstverständlich hohe Seuchenschutzauflagen. Aber auch umliegende Kreise sind gewarnt und verstärken ihren Schutz.

Ilona Schrumpf, Leiterin des Amtes für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Landwirtschaft im Elbe-Elster-Kreis, kann glücklicherweise vermelden, dass im laufenden Jahr in Elbe-Elster keine Erkrankungen an AFB bekannt geworden sind. Dasselbe erklärt Jörg Wachtel, Amtstierarzt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz.

Die Imker schützen ihre Völker, indem sie auf peinliche Sauberkeit ihrer Gerätschaften achten, ihre Völker nicht mit infizierten anderen Völkern in Kontakt bringen, Königinnen nur aus Betrieben erwerben, die anerkannt frei von AFB sind und die Verfütterung von eventuell sporenhaltigem Import-honig unterlassen, erläutert Ilona Schrumpf.

Jährlich gibt es in Brandenburg ein landesweites Monitoring, an dem sich die Imker freiwillig beteiligen können. Sie können im Landeslabor Berlin-Brandenburg kostenfrei ihren Honig auf Sporen der AFB untersuchen lassen und sich ihren eigenen "Freiheitsstatus" sichern.

Derzeit gibt es im Landkreis Elbe-Elster laut Ilona Schrumpf 352 angemeldete Bienenhalter. Die Anzahl der Imker nehme kontinuierlich zu. Statistische Auswertungen ergaben, dass es im Jahr 2013 nur 283 Imker im Landkreis gab, und 2016 waren es 334.

Im Landkreis Spree-Neiße sind derzeit 297 Imker gemeldet, die Anzahl ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, sagt Wienke Becker vom Veterinäramt des Landkreises Spree-Neiße. Auch dort seien 2016 keine Fälle von Amerikanischer Faulbrut zur Kenntnis gelangt. Als Schutz vor Ansteckungen verweist Wienke Becker neben den bereits genannten Maßnahmen auch auf eine Anmeldung im zuständigen Veterinäramt bei einer geplanten Wanderung mit den Bienenvölkern. Das zuständige Amt gebe Auskunft über die Seuchenlage.

Neben der Amerikanischen Faulbrut gibt es weitere Erkrankungen und Parasiten, die den Bienen gefährlich werden können, erklärt Wienke Becker. Besonders hervorzuheben ist hier die Varroa-Milbe. Um die Verbreitung dieses Parasiten im Bienenvolk zu verhindern, sind entsprechende Behandlungen und imkerische Maßnahmen zu bestimmten Zeiten erforderlich.

Laut Ilona Schrumpf seien Bienenstöcke weiterhin von dem Befall mit dem Kleinen Bienenbeutenkäfer sowie der Tropilaelaps-Milbe bedroht. Gegen den Milbenbefall stehe den Imkern die Behandlung der Beuten mit Ameisen- oder Oxalsäure zur Verfügung.

Die Amerikanische Faulbrut, der Befall mit dem Kleinen Bienenbeutenkäfer und der Befall mit der Tropilaelaps-Milbe haben einen so hohen wirtschaftlichen Stellenwert, dass sie als anzeigepflichtige Tierseuchen deklariert worden sind. Hier seien alle Imker aufgerufen, nur aus geprüfter Herkunft Bienen und Imkerzubehör zu beziehen.

Eine Gefahr für den Menschen bestehe durch die Amerikanische Faulbrut nicht, sagen die Experten. Bienenerkrankungen haben kein zoonotisches Potenzial, das heißt, die Erreger sind nicht auf den Menschen übertragbar und daher ungefährlich. Eine Übertragung der Sporen über Honig sei zwar möglich, führe aber zu keiner Erkrankung des Menschen.

Vorsicht ist bei Neugeborenen und Kleinstkindern geboten. Hier raten die Fachleute von der Verabreichung von Honig vorsichtshalber ab. "Sollte man durch eine Biene gestochen werden, so ist hier ausschließlich mit der Wirkung des Bienengiftes zu rechnen", hebt Wienke Becker hervor.

Zum Thema:
Amerikanische Faulbrut (AFB), manchmal auch Bösartige Faulbrut genannt, gehört zu den hoch ansteckenden, anzeigepflichtigen Bienenkrankheiten. Sie betrifft die Bienenbrut und wird durch Brutpflege durch die Bienen im eigenen Volk übertragen. Die Brut stirbt ab. Daher wird das Bienenvolk stark geschwächt und kann sich selbst nicht mehr erhalten. Das verdächtige Volk ist sofort zu beseitigen. Die Wabe mit der AFB ist zu verpacken und dem Amtstierarzt für weitere Tests zu übergeben. Zum Feststellen wird ein Streichholz mit dem Ende ohne Zündkopf in eine geöffnete verdächtige Brutzelle gesteckt und vorsichtig herausgezogen. Zieht sich hierbei ein zäher Faden, dann kann es sich um die amerikanische Faulbrut handeln. Die Brut ist dabei gelb-grau oder auch braun-schwarz verfärbt. (gro)

Imker müssen ihre Bienenvölker intensiv überwachen, damit sich die gefährliche Amerikanische Faulbrut nicht ausbreiten kann.
Imker müssen ihre Bienenvölker intensiv überwachen, damit sich die gefährliche Amerikanische Faulbrut nicht ausbreiten kann. FOTO: dpa