Denn der 52 Jahre alte Geschäftsmann mit schütterem Haupthaar, Schnauzer, dezenter Brille und einem gewinnenden Lächeln ist Inhaber eines veritablen Weihnachts-Imperiums, eines Welt umspannenden Netzes ganzjährig geöffneter Weihnachtsfachgeschäfte.
In den wichtigsten deutschen Zentren des Massentourismus wie Heidelberg, Rüdesheim, Garmisch-Partenkirchen, Oberammergau und Nürnberg hat Wohlfahrt Geschäfte eröffnet, außerdem im elsässischen Riquewihr und im belgischen Brügge. Feste Niederlassungen gibt es auch in Japan und den USA. Ob draußen Hitze brütet oder Kälte klirrt - bei Käthe Wohlfahrt bekommen Weihnachtsfans immer, was ihr Herz begehrt: Glaskugeln und Baumanhänger in allen Farben und Variationen, Weihnachtspyramiden, Räuchermännchen, Nussknacker, Engel in tausenderlei Gestalt, Krippen, Kerzenhalter und Original Bleilametta.

Pionier der "Erlebniseinkaufs"
Benannt ist die 1964 gegründete Firma nach Käthe Wohlfahrt, der Mutter des heutigen Inhabers, die nach dem Krieg auf US-Militärbasen erzgebirgische Weihnachtsvolkskunst verkaufte. Am Stammsitz in Rothenburg ob der Tauber hat Wohlfahrt, nach eigenen Angaben Pionier des "Erlebniseinkaufs", in einem entkernten mittelalterlichen Häuserkomplex ein Weihnachtsdorf aufgebaut. Vor 25 Jahren wurde der erste Bauabschnitt eröffnet.
Über dem 1000 Quadratmeter großen Verkaufsraum, der einer fränkischen Fachwerkstadt nachempfunden ist, wölbt sich ein künstlicher Sternenhimmel. Hier türmen sich mehr als 30 000 verschiedene Weihnachtsartikel. 80 000 Glühlämpchen an vier Kilometern Girlanden tauchen die Szenerie in festliches Licht.
Im Advent bestückt sein Unternehmen 54 Weihnachtsmärkte in Deutschland, Italien, der Schweiz, den USA und Japan mit seinen "begehbaren Verkaufsstellen". Auch im Rothenburger Stammhaus herrscht Hochsaison. Etwa 230 Menschen arbeiten fest für Wohlfahrt, vor Weihnachten schwillt die Belegschaft auf etwa 1000 Mitarbeiter an. "Die Amerikaner und Japaner kommen vor allem im Sommer", sagt Wohlfahrt. "Vor Weihnachten haben wir aber 80 Prozent deutsche Kunden."
An den Adventswochenenden ist der Andrang so groß, dass Wohlfahrt Eintritt verlangt, um Leute abzuschrecken, die nur schauen, aber nichts kaufen wollen. In Endloskolonnen schieben sich die Menschenmassen durch die glitzernden Gassen des Wohlfahrtschen Weihnachtswunders.
In nahezu allen Zungen der Welt hört man Rufe des Entzückens: "Lovely", "fantastisch", "trés joli", tönt es von allen Seiten. Wohlfahrt freut sich: "Die Menschen finden es schön und kommen wieder." Zahlen zum Unternehmenserfolg sind dem Mittelständler nicht zu entlocken. Der wirtschaftliche Tiefpunkt der Unternehmensgeschichte ist allerdings überwunden. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 brach der Umsatz dramatisch ein, 80 Mitarbeiter mussten entlassen werden. "Das war schrecklich", erinnert sich Wohlfahrt. Jetzt setzt die Firma verstärkt auf den europäischen Markt und versucht, mit exklusiven Eigenschöpfungen neue Kunden, vor allem Sammler, anzusprechen.

Ramsch ist tabu
Von dem Weihnachtsramsch aus Fernost in manchen Baumärkten und Gartencentern distanziert sich der fränkische Weihnachtsunternehmer nachdrücklich, gegen Plagiate Wohlfahrtscher Eigenkreationen zieht er gerichtlich zu Felde. Allerdings sieht man auch in Wohlfahrts Regalen mancherlei Nippes, der augenscheinlich auf Massengeschmack getrimmt ist. "Die haben natürlich auch Sachen aus Asien", betont eine Konkurrentin aus einem Souvenirladen in der Nachbarschaft - was das Unternehmen Wohlfahrt dann auf Nachfrage auch etwas kleinlaut einräumt.