Im Jahr 1747 hatte der Preußenkönig angefangen, das Sumpfgebiet mit Deichen und Kanälen in einen fruchtbaren Landstrich zu verwandeln. Etwa 300 000 Kolonisten fanden durch dieses Mammutprojekt in 50 Dörfern, darunter 33 Neugründungen, eine neue Heimat.
Jetzt wird ein Deichabschnitt bei Güstebieser Loose (Märkisch-Oderland) wieder zu einer Baustelle, um historische Anlagen zu korrigieren. "Die Alte Oder, heute nur ein stehendes Gewässer, soll wieder zu einem Fließgewässer werden", fasst Günter Wartenberg vom Landesumweltamt das Ziel zusammen.
Ursprünglich war die von Güstebieser Loose über Wriezen und Bad Freienwalde nach Oderberg fließende Alte Oder der Hauptstrom. Im Zuge der Trockenlegung des Oderbruchs wurde der Fluss Mitte des 18. Jahrhunderts durch einen zirka 19 Kilometer langen Kanal begradigt. Noch etwa 70 Jahre lang bestand eine Verbindung zwischen Alter Oder und dem neuen Hauptstrom.

Durchlass für Ökologie
1832, als sich der neue Fluss sein Bett gegraben hatte, wurde die Verbindung gekappt. So sparte man Geld für die Deichpflege und bannte die Hochwassergefahr im Nebenfluss. Die Alte Oder, einst ein schiffbares Gewässer, versandete und verschlammte im Laufe der Jahre zu einem Gewässer ohne Zufluss vom Hauptstrom.
Mithilfe von zwei Durchlassrohren will das Landesumweltamt jetzt aus ökologischen Gründen wieder eine Verbindung zwischen Hauptfluss und Nebenarm herstellen. Bis Mai 2009 soll eine Ein- und Auslaufverbindung in den Deich bei Güstebieser Loose eingebaut werden, so dass nach der Inbetriebnahme ein Kubikmeter Frischwasser pro Sekunde in die Alte Oder einlaufen kann. Dadurch, so erhofft man sich im Landesumweltamt, könnte die Wasserqualität verbessert werden.
Finanziert wird das 1,5 Millionen Euro schwere Projekt aus Mitteln des Landes und der Europäischen Union. Wie hoch die Folgekosten sein könnten, ist noch offen. Möglicherweise müssen verschiedene Stellen der Alten Oder ausgebaggert werden, wenn sich das Wasser seinen Weg nicht selbst gräbt. Nach Inbetriebnahme des Durchlasses sollen Messungen zeigen, wo Ausbaggerungen nötig sind, erklärt Günter Wartenberg.

Auge auf Wasserstand haben
Otto Knoll, Landwirt und Vorsitzender der Bürgerinitiative "Oderbruch", warnt davor, dass der Wasserstand der Alten Oder so weit ansteigen könnte, dass das Wasser auf die Felder drängt und Ernten zerstört. Idealerweise müsse man das Flussbett auf den Einlass vorbereiten: "Man darf nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun", sagt Knoll. Jetzt, wo die Arbeiten aber umgekehrt verlaufen, müsse man immer "ein Auge auf dem Wasserstand" haben.
Günter Wartenberg und seine Kollegen hoffen hingegen, dass sich der Abfluss selbst reguliert. Und außerdem sei die Einlassmenge relativ gering. Noch 1832 seien bis zu 600 Kubikmeter pro Sekunde hier entlang geflossen, sagt Wartenberg. Bei Problemen, wie zum Beispiel Hochwasser, könne die Verbindung durch vorhandene Schieber unterbrochen werden.
Die Bauarbeiten am Deich haben Ende des vergangenen Monats begonnen. Radfahrer auf dem Oder-Neiße-Radweg müssen sich mit einer Umleitung über Güstebieser Loose einstellen. Die Wege sind ausgeschildert.