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| 02:43 Uhr

Behörden setzen Sonderermittler im Fall Nemzow ein

Boris Nemzow starb Freitagnacht in Moskau durch vier Schüsse in den Rücken.
Boris Nemzow starb Freitagnacht in Moskau durch vier Schüsse in den Rücken. FOTO: dpa
Moskau. Im Mordfall des hinterrücks erschossenen russischen Oppositionellen Boris Nemzow soll ein Sonderermittler die Untersuchungen führen. General Igor Krasnow, ein Experte für die Aufklärung von Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund, werde eine zwölfköpfige Kommission leiten, wie russische Medien am Montag berichteten. dpa/bl

Kritiker befürchten, dass die Tat nie aufgeklärt wird - wie frühere Attentate auf andere Kremlgegner. Polens Außenminister Grzegorz Schetyna warnte Russland vor einem weiteren Imageverlust.

Am heutigen Dienstag soll Nemzow auf dem Moskauer Prominentenfriedhof Trojekurowo beigesetzt werden. Freunde und Wegbegleiter des bekannten Oppositionspolitikers haben zuvor in den Räumen der Menschenrechtler vom Sacharow-Zentrum die Gelegenheit, sich von Nemzow zu verabschieden.

Zu der Beerdigung wird unter anderem der litauische Außenminister Linas Linkevicius erwartet. Polens Senatspräsident Bogdan Borusewicz erhielt überraschend von den russischen Behörden kein Visum zur Einreise. Aus Deutschland haben sich die FDP-Politiker Wolfgang Gerhardt und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger angekündigt. Zu einem Trauermarsch für den früheren Vizeregierungschef im Zentrum von Moskau waren am Sonntag Zehntausende Menschen gekommen und hatten Blumen am Anschlagsort niedergelegt.

Der 55-jährige Nemzow, ein bedeutender Gegner von Präsident Wladimir Putin, war am späten Freitagabend mit vier Schüssen in den Rücken auf einer Brücke in Kremlnähe getötet worden. Nemzow starb am Tatort. Der Schütze entkam unerkannt. Putin teilte mit, es werde alles für die Aufklärung des "zynischen Mordes" getan. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach von einem "abscheulichen Verbrechen". "Der Tod von Boris Nemzow ( . . . ) ist eine große Anklage der russischen Politik", sagte der polnische Außenminister Schetyna. Der russische Oppositionelle Garri Kasparow rief den Westen in einem Artikel im "Wall Street Journal" auf, Russlands Führung unter Präsident Putin als kriminell zu verurteilen. "Wir werden vielleicht nie wissen, wer Boris Nemzow getötet hat, aber wir wissen, je eher Putin weg ist, desto größer sind die Chancen, dass das Chaos vermieden werden kann, gegen das Boris gekämpft hat", meinte der Ex-Schachweltmeister.