Trotz einer Vielzahl von staatlichen Subventionen finden nur wenige Betroffene einen Arbeitsplatz. Nach Angaben des Sozialministeriums lag die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderungen in den staatlichen Behörden im Jahr 2003 bei 4,8 Prozent. Bei privaten Arbeitgebern betrug sie im Durchschnitt nur 2,9 Prozent. "Immer noch gibt es viele Vorurteile über die Leistungsfähigkeit von Behinderten", sagte Daniela Richter von der Stadtverwaltung Dresden. Im Oktober dieses Jahres konnten laut Landesarbeitsagentur Sachsen immerhin nahezu 400 schwerbehinderte Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.
Auch öffentliche Verkehrsmittel stellen für Betroffene oft ein unüberwindliches Hindernis dar. "Eine einfache Fahrt mit Bus oder Bahn ist für viele Behinderte immer noch ein Abenteuer", sagte Gunter Jähnig vom Behindertenverband Leipzig. Oftmals gebe es keine geeigneten Rampen oder keine Möglichkeit für Gehörlose, die Durchsagen an den Bahnsteigen wahrzunehmen. Die Grundlagen für eine barrierefreie Gesellschaft müssten bereits in der Ausbildung verankert werden, sagte Jähnig. Architekten oder Computerspezialisten lernten im Studium bisher oft nichts über das behindertengerechte Bauen oder die Konzeption von speziellen Computerprogrammen.
Um Menschen mit Behinderungen das alltägliche Leben zu erleichtern, gibt es in Leipzig und in Dresden einen speziellen Stadtführer. Dieser informiert über die Zugänglichkeit zu allen öffentlichen Einrichtungen. Die Broschüren geben auch darüber Auskunft, welche Theater und Museen rollstuhlgerecht gebaut sind und in welchen Ämtern spezielle Orientierungshilfen für Blinde und Gehörlose zur Verfügung stehen.
In Chemnitz leben rund 31 000 Menschen mit Behinderungen. 9000 von ihnen sind erheblich gehbehindert. Klaus Möbius, Vorsitzender des Behindertenbeirates der Stadt, sieht Nachholbedarf vor allem beim barrierefreien Bauen. Deshalb erscheine im nächsten Jahr ein "Katalog für behindertengerechtes Bauen", eine verbindliche Leitlinie für Bauleiter und Architekten. "Die Belange behinderter Menschen müssen mehr in unser alltägliches Bewusstsein dringen", sagte Möbius.

Zum Thema Welttag der Behinderten
 Der Freistaat förderte laut Ministerium im Jahr 2005 verschiedene Einrichtungen der Behindertenhilfe mit 19 Millionen Euro. Zusätzlich wurden Mittel für den behindertengerechten Umbau an öffentlichen Gebäuden investiert. Im Jahr 2006 wurden diese Fördermittel auf insgesamt 26,7 Millionen Euro erhöht. Der Behinderten-Welttag wurde im Jahr 1992 von den Vereinten Nationen für den 3. Dezember aufgerufen.