Erst kürzlich hatten Kinder- und Jugendpsychiater bundesweit vor drohenden Ver schlechterungen in der Versorgung von bis zu 200 000 psychisch kranken Minderjährigen gewarnt. Den in vielen Praxen angestellten Teams aus Heil- und Sozialpädagogen droht nach Angaben des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie das Aus. Als Gründe wurden bereits ausgesprochene oder drohende Vertragskündigungen der Krankenkassen genannt.

Zu neuen Gesprächen bereit
In Brandenburg haben Büttner zufolge die Innungskrankenkasse (IKK) und der Landesverband Ost der Betriebskrankenkassen (BKK) die Sozialpsychiatrie-Vereinbarung gekündigt. Die IKK habe zum Ende des Jahres allerdings nur vorsorgliche Kündigungen ausgesprochen, weil ihr bundesrechtliche Vorgaben gefehlt hätten. Sollte es neue Signale auf Bundesebene geben, sei die Kasse zu Gesprächen bereit.
"Wir gehen davon aus, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Brandenburg gegenwärtig nicht gefährdet ist", sagte Büttner. Mit Blick auf den bevorstehenden Schulbeginn in einer Woche betonte er, dass es für betroffene Eltern "ausreichend Möglichkeiten gibt, sich Hilfe zu holen". Sollte ein Kind Auffälligkeiten zeigen, seien zunächst Schulpsychologen "eine gute Adresse".
Für das Modell der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung gibt es keinen ausdrücklichen gesetzlichen Auftrag. Hintergrund von Kündigungen ist, dass der Verband der Angestellten-Krankenkassen durch die Gesundheitsreform für solche Verträge nicht mehr zuständig ist und dass einzelne Kassen Mehrbelastungen durch die ab 2009 erwarteten Honorarerhöhungen für Ärzte fürchten.
Dem Vernehmen nach stehen aber Beratungen über eine Weiterführung des Modells beim zuständigen Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung an. Studien zufolge haben rund 20 Prozent der Minderjährigen in Deutschland Auffälligkeiten; bis zu acht Prozent sind behandlungsbedürftig.

Immer jüngere Betroffene
Das Sozial-Therapeutische Institut in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) hatte bereits im März angegeben, dass von Mobbing und Gewalt zunehmend auch jüngere Kinder betroffen seien. Schon Schüler der ersten und zweiten Klassen litten darunter. (dpa/ta)