Milan Podany gehört zum Biologischen Arbeitskreis Alwin Arndt - einer Gruppe von Umweltpionieren, die schon zu tiefsten DDR-Zeiten den Schutz von Flora und Fauna in der nordwestlichen Lausitz eingefordert und umgesetzt hat. Schon als Kind wurde der Fledermausfreund in den Arbeitskreis geholt: von Peter Schonert, einem der Gründungsväter des Vereins. „Peter hat mich damals einfach sonntags mit raus genommen, mir die Brutplätze der Vögel gezeigt, mir beigebracht, ihre Rufe zu erkennen und zu unterscheiden.“
Peter Schonert, zu DDR-Zeiten ehrenamtlicher Kreisnaturschutzbeauftragter, ist heute Rentner - und der wohl einzige Feldhüter Brandenburgs. Seine Aufgabe: „Wenn Getreidefelder frisch gedrillt sind oder Mais ausgelegt wurde, fahre ich regelmäßig die Gegend ab und kontrolliere, ob irgendwo größere Vogelschwärme eingefallen sind. Die verscheuche ich dann, um größere Schäden zu verhindern.“ Und die Argrarbetriebe der Region sind zufrieden. Der Feldhüter ist wirksamer als die früher eingesetzten Scheuchen oder Knallgeräte.

"Keinen Käseglockennaturschutz"
So liefert die Arbeit von Peter Schonert ein gutes Beispiel für die Haltung der rund 60 Luckauer Naturschützer. Roger Ehrler, Leiter des Arbeitskreises: „Wir wollen keinen Käseglockennaturschutz. Unser Ziel ist ein vernünftiges Miteinander von Ökologie, Tourismus und Landwirtschaft. Wir wollen uns nicht abschotten, sondern den Menschen zeigen, was für wunderbare Dinge hier bei uns zu entdecken sind.“
Schon vor 40 Jahren schöpfte der Arbeitskreis genau aus diesem Pragmatismus seine Kraft. Katharina Illig, Rentnerin und Vogelexpertin, erinnert sich: „Eigentlich war es üblich, dass sich alle Expertengrüppchen gegen ein ander abschotteten. Bei uns aber fanden sich unter dem Dach des Kulturbundes Ornithologen, Fledermauskundler, Insektenforscher und Fischfreunde gleichermaßen zusammen. Wir beobachteten die Zerstörungen der Landschaft, leiteten daraus gemeinsame Forderungen ab und konnten quasi mit einer Stimme sprechen.“
Mit dem Erfolg, dass seit Mitte der 60er-Jahre im Wirkungsbereich des Vereins drei Naturschutzgebiete und sieben Flächendenkmäler ausgewiesen wurden - mit Maßnahmen, die der Kohleförderung nicht im Wege standen. „So haben wir Grubenwasserableiter so umgestaltet, dass damit zwei Feuchtgebiete bewässert werden konnten“ , erinnert sich Katharina Illig. Wichtige Rastplätze für die Kraniche konnten so aufgewertet werden. Der Bestand der Vögel, die hier Rast machen, hat sich von etwa 350 auf inzwischen knapp 4000 erhöht.
Die Ornithologin Katharina Illig hat auch sonst sehr genau im Blick, wie sich die Vogelbestände in der Region entwickeln. In der Brutsaison zwischen März und Juni ist sie täglich mehrere Stunden mit dem Fahrrad unterwegs, um Brutvögel zu identifizieren, zu zählen und für einen bundesweiten Atlas zu erfassen.

Ehrenamtliche Tätigkeit
So wie sie arbeiten rund 20 Prozent der Mitglieder des Arbeitskreises aktiv ehrenamtlich. Der Wirkungskreis der Naturschützer beschränkt sich allerdings nicht nur auf den Freizeitbereich: Auf dem Gelände des Arbeitskreises hat sich die Sielmann-Stiftung eingemietet und betreibt im Naturparkzentrum intensive Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche. Und auch die Naturwacht arbeitet Hand in Hand mit dem Arbeitskreis und der Stiftung. Ulf Bollack, Gebietsleiter der Naturwacht und Mitglied im Arbeitskreis: „Ohne diese enge Vernetzung wären die vie len umfangreichen Projekte gar nicht möglich.“ So gibt der Arbeitskreis, der Mitglied im Naturschutzbund Nabu ist, jedes Jahr eine Ausgabe seiner „Biologischen Studien“ heraus, lädt monatlich zu Vorträgen, organisiert Arbeitseinsätze zur Kopfweidenpflege oder nächtliche Exkursionen für Fledermausfreunde und Insektenforscher.
Was den Bogen schlägt zu Milan Podany, seiner kleinen Fledermaus und dem Mehlwurm, mit dem „Bart“ gefüttert werden möchte. Denn so wie Podany sind alle Mitglieder der vergangenen Jahrzehnte zum Naturschutz gekommen. Über die Arbeitsgemeinschaften der Schulen, über die ansteckende Begeisterung der älteren Mitglieder - und die knappe Auswahl an Freizeitmöglichkeiten. „Heute“ , sagt Katharina Illig, „gibt es die verpflichtenden AGs nicht mehr. Die Jugendlichen haben zu viele Alternativen. Und aus dem Fernsehen kennen sie so spektakuläre Bilder, dass unsere Wirklichkeit mit ihren bedrohten Schönheiten kaum noch mithalten kann.“