Wenn das Treppensteigen schwer fällt und der Einstieg in die Badewanne fast unmöglich wird: In den kommenden Jahren werden immer mehr brandenburgische Senioren altersgerechte Wohnungen brauchen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Nach Ansicht des Infrastrukturministeriums wird der Bedarf an barrierefreien Wohnungen in den nächsten Jahren weiter ansteigen. "Die uns bekannte Anzahl an barrierefreien Wohnungen ist nicht ausreichend", sagte Petra Dribbisch von der Presseabteilung.

Der Anteil der Brandenburger, die 65 Jahre und älter sind, wird nach einer aktuellen Prognose des Pestel-Instituts in den kommenden zwölf Jahren auf 38,7 Prozent steigen. 811 000 Senioren werden dann zwischen Wittstock und Senftenberg leben. 2011 lag ihr Anteil noch bei rund 22 Prozent.

Trotz des steigenden Bedarfs werde es auch in der Zukunft keine Wohnungsnot für Senioren in Brandenburg geben, versicherte Lothar Wiegand, Pressesprecher des Infrastrukturministeriums. Um den Ausbau von barrierefreien Wohnungen zu fördern, gäbe es zwei verschiedene Förderprogramme. "Sie werden gut genutzt. Wir haben 10 000 Wohnungen schon teilweise oder ganz barrierefrei gemacht, in den vergangenen fünf Jahren", sagte Wiegand.

Das Strukturministerium fördert in den Programmen die generationsgerechte Anpassung von Mietwohnungen und den Anbau von Fahrstühlen für barrierefreien Zugang mit zinsfreien Darlehen. Dies sei nicht nur für Senioren, sondern auch für junge Familien wichtig. Auch sie würden für den Kinderwagen einen Aufzug im Haus benötigen.

In der Pflicht, mehr barrierefreie Wohnungen zu schaffen, sieht er allerdings auch die Vermieter: "Wir können das natürlich nicht alleine umsetzen. Da muss auch die Wohnungswirtschaft mitziehen."

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) gab an, dass etwa sieben Prozent der Wohnungen ihrer Brandenburger Mitgliedsunternehmen weitestgehend ohne Barrieren sind. Fast 50 Prozent der Wohnungsunternehmen im Land gehören zum BBU. Der sieht momentan noch keine Engpässe bei Seniorenwohnungen. Sie würden schrittweise den Bedürfnissen der älteren Mieter angepasst, hieß es. Türschwellen würden entfernt und Aufzüge nachträglich eingebaut.

Für Senioren sei vor allem zusätzlicher Service wichtig wie Freizeitangebote, Umzugshilfen, Freiwilligen-Netzwerke und Hausmeisterdienste. "Rentner wollen nach Möglichkeit im Kiez bleiben, da haben sie ihren Arzt und ihre Einkaufsmöglichkeiten", sagte der Vorsitzende des Cottbuser Seniorenbeirats, Eberhard Karwinski von Karwin. In Cottbus sei altersgerechtes Wohnen ein wichtiges. "Von unseren 100 000 Einwohnern sind heute schon 30 000 älter als 60 Jahre, irgendwann wird ihr Anteil 35 Prozent betragen", rechnete er vor. In den Mietshäusern der Stadt gebe es nicht genügend Aufzüge und in den Wohnungen im Erd- oder ersten Obergeschoss seien kaum noch Wohnungen frei, wenn ältere Mieter umziehen wollten. "Die Probleme werden noch drastischer werden", warnte Karwinski von Karwin.

Das brandenburgische Infrastrukturministerium sieht zwar einen steigenden Bedarf an barrierefreien Wohnungen für Senioren und junge Familien, fühlt sich aber für die Zukunft trotzdem gut gerüstet. "Es gibt keine Wohnungsnot für Senioren und es wird auch keine Wohnungsnot für sie geben", so Pressesprecher Wiegand. Der Wohnungsmarkt in Brandenburg sei so entspannt, dass in jedem Wohnsegment, also auch für Senioren, immer Wohnungen vorhanden sein werden. Die Förderprogramme zum Ausbau solcher Wohnungen sollen fortgesetzt werden, um den Umbau weiterer Wohnungen zu barrierefreien Wohnungen voranzutreiben.