Der Chef redet Tacheles - gegen die Kritik an der Regierungspolitik, gegen die Debatte um die SPD-Kanzlerkandidatur, gegen den Flügelstreit und gegen Heckenschützen, "die hinter dem Busch sitzen und rummäkeln". Vor allem an seiner Eignung als Vorsitzender.

Zwischenapplaus für Beck
In der Berliner SPD-Zentrale herrscht an diesem Montag eine spannungsgeladene Stimmung. Niemand kommentiert die harsche Rede des Vorsitzenden. Aber es gibt Zwischenapplaus. Beck nennt keine Namen, aber, das wissen die Teilnehmer, fast alle sind gemeint: Finanzminister Peer Steinbrück etwa, der die SPD wegen ihres mangelnden Selbstbewusstseins als "Heulsusen" bezeichnet hat, eine Wortwahl, die Beck kritisiert. Vizekanzler Franz Müntefering, der Beck öffentlich schon mehrfach widersprach. Es gehe nicht an, dass einzelne die Parteilinie ohne Absprache ständig neu definierten, sagt Beck. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der die Gerüchte um seine mögliche Kanzlerkandidatur wabern lässt. Diese Frage werde Ende 2008 entschieden, und er, Beck, werde dazu einen Vorschlag machen. "Dabei bleibt es." Und dann attackiert er die vielen Anonymen, die via Presse immer wieder als Ratschläge getarnte Schläge austeilen. Etwa den, dass er einen anderen Beraterstab brauche. Beck spricht von Leuten aus der "dritten und vierten Reihe, die mehr oder weniger Intelligentes erzählen - auf jeden Fall Unverantwortliches". Wenn sich das fortsetze, werde er Namen nennen.
Kurz nach dieser Standpauke ist die Halle des Hauses brechend voll, Hunderte wollen Steinmeier, Steinbrück und Becks Vorgänger Matthias Platzeck hören, die ein Buch zur Programmdebatte vorstellen. Es heißt, frei nach Willy Brandt, "Auf der Höhe der Zeit". Weil die drei Autoren den "vorsorgenden Sozialstaat" beschwören, weil sie die Reformpolitik Gerhard Schröders loben und den Begriff "demokratischer Sozialismus" im Parteiprogramm durch "soziale Demokratie" ersetzen wollen, hat die Parteilinke schon vorher getobt. Andrea Nahles, die ausgerechnet zusammen mit Steinmeier und Steinbrück Parteivize werden soll, nennt die Positionen ihrer Kollegen "nicht mehrheitsfähig".
Allerdings, Nahles selbst hat auch schon ein Buch veröffentlicht, es heißt "Linke Programmbausteine", und die Rechte hat damals nicht so empfindlich reagiert. Jetzt aber hat der Flügelstreit die neue Spitze der Partei erreicht und lockt Neugierige an. Beck versucht zwischen all dem Getöse zu vermitteln. Nein, er gehe nicht zu der Buchvorstellung, denn er wolle und müsse zwischen den Flügeln moderieren, sagt er im Parteirat. Seine Aufgabe sei es, den Laden zusammenzuhalten. Im Übrigen: Auch das neue Parteiprogramm werde "auf der Höhe der Zeit" sein, sagt er spitz. Aber es werde alle Positionen integrieren.

Flügelübergreifendes Lob
"Es war nötig, dass er klar gemacht hat, wo der Hammer hängt", sagt Nahles am nächsten Morgen, als sich der Pulverdampf verzogen hat, und Johannes Kahrs von der Parteirechten spricht gar von "Kameradenschweinen", die mal eine solche "klare Ansage" gebraucht hätten. So flügel übergreifend ist das Lob, dass Beck sich fragen wird, ob er an diesem denkwürdigen Montag nicht doch noch zu unklar geblieben ist.