Ein guter Tag für Bahnchef Rüdiger Grube: Im Führerhaus des Sonderzuges von München nach Augsburg kann er posieren und auch demonstrieren, dass die Bahn bei Schnee doch fährt. Am Samstag eröffneten zwei Sonder-ICE die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und der schwäbischen Bezirkshauptstadt offiziell. Bis zu 230 Kilometer pro Stunde schnell können die Züge auf einigen Abschnitten fahren. Einige ICE, aber längst nicht alle, brauchen dann künftig nur noch 26 Minuten.

Grube sitzt mit anderen Vertretern seines Unternehmens, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und einigen Kamerateams in dem einen Zug, der andere ist leer. Zwischendurch demonstriert der Bahnchef Mitarbeiternähe und plauscht mit dem Zugpersonal. Ramsauer geht derweil seine Rede durch oder filmt mit seinem Handy den auf dem Nebengleis fahrenden ICE. Plötzlich fragt er alarmiert: „Warum steht da ÖBB auf unserem Zug?“ Erklärung: Die Österreichische Bundesbahn betreibt einige ICE auf dieser Strecke. „Sind wir schon bei 230?“, will der Minister immer wieder wissen. Als er aufstehen will, stößt er sich an der Gepäckablage. Ob Zweite-Klasse-Passagiere oder Verkehrsminister – vor der Ablage sind alle gleich.

„Wir begehen heute einen ganz ganz großen Tag“, sagt Ramsauer später beim Festakt nach der von Feuerwerk und Blasmusik begleiteten pünktlichen Ankunft am Augsburger Hauptbahnhof. Grube spricht von einer „neuen Rennstrecke“, einem „Meilenstein“ für den europäischen Zugverkehr und dankt Pendlern und Anwohnern für ihre Geduld. Die wurde nämlich ganz schön auf die Probe gestellt: 13 Jahre hat es gedauert, bis das rund 700 Millionen Euro teure Bauprojekt abgeschlossen war – die Strecke wurde in dieser Zeit von zwei auf vier Gleise erweitert.

München–Augsburg zählt als Teil der europäischen Magistrale zwischen Paris und Wien zu den am dichtesten befahrenen Strecken in Deutschland. Nach Bahnangaben fahren dort täglich 350 Züge. Zwei Gleise sind künftig für die Hochgeschwindigkeitszüge reserviert. Die Bahn verspricht nun einmal mehr, dass die neue Strecke zu mehr Pünktlichkeit führen wird.