Bereits zu DDR-Zeiten hatten die evangelische und die katholische Kirchgemeinde, die den Dom gemeinsam nutzen, trotz bescheidener finanzieller und materieller Mittel mit Sanierungsarbeiten begonnen - so am Turm und an der Westfront.
"Im Jahre 2003 erfolgte im Rahmen eines internationalen Kolloquiums eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Gebäudesubstanz", so der mit der Planung des Vorhabens beauftragte Dresdener Architekt Christian Schaufel. "Dabei stellte sich heraus, dass dringender Handlungsbedarf besteht."
Insbesondere die Verputzung erwies sich als so marode, dass sie komplett entfernt und erneuert werden musste. "Im Laufe der Jahrhunderte waren große Putzpartien abgeplatzt, sodass die Steinstruktur der Domfassade großflächig zum Vorschein kam", berichtet der Architekt. Bei gelegentlichen Ausbesserungsarbeiten hatten frühere Bauarbeiter diese unverputzt gelassen, wodurch der bis zuletzt bestehende Gesamteindruck von der "steinsichtigen" Domfassade zustande kam. "Ursprünglich war das Bauwerk jedoch vollständig verputzt", betont Christian Schaufel.
Vor den Kirchgemeinden stand nunmehr die schwierige Entscheidung, den gewohnten Zustand beizubehalten oder die Fassade komplett neu zu verputzen. Die Variante, einzelne Steine aus dem Verputz "herausragen" zu lassen, wurde schon bald verworfen.
Schließlich entschied man sich für das vollständige Verputzen. Lediglich die Strebepfeiler und die Bereiche rings um die Fenster blieben davon ausgenommen. "Der Putz dient ja nicht nur als Zierde, sondern auch als schützende Außenhaut des Gemäuers", hatte der evangelische Pfarrer Burkart Pilz diese Variante befürwortet. Als nunmehr vor einigen Wochen die Gerüste auf der Südseite des Domes fielen, mussten sich viele Bautzener und Besucher der Stadt erst einmal an das neue Erscheinungsbild "ihres" Domes gewöhnen. "Die Reaktionen von Besuchern und Gemeindemitgliedern sind aber fast durchgehend positiv", erklärt Burkart Pilz. "Ich denke, dass sich unsere Entscheidung als richtig erwiesen hat. Die Fassade erscheint ruhig, die anfangs recht hell wirkende Farbe dunkelt nach."
Die nun zu Ende gegangene Sanierung beschränkte sich jedoch nicht auf das Verputzen der Außenfassade. Gleichzeitig wurden die Bleiglasfenster komplett erneuert. In den nächsten Wochen soll an einem der Südfenster noch eine zusätzliche Verglasung zum Schutz des Südaltars angebracht werden. "Dann haben wir es wirklich geschafft", so der Pfarrer.