Über die Gründe, die zu dem Abbau führten, wollte sich die Dresdener Niederlassung des europaweit agierenden Baukonzerns nicht äußern. Vielmehr verwies man darauf, dass der Bauherr zu entscheiden habe, wie es auf der Baustelle weitergeht. Dieser, der Paderborner Unternehmer Thomas Kasselmann, hat in Bautzen bereits mehrere umfangreiche Bauprojekte verwirklicht. Sein Beauftragter, der Architekt Helmut Wildfeuer, erklärt immerhin, dass es zwischen dem Bauherren und der Baufirma "nicht so erfreuliche Sachen" gegeben habe, mit denen sich nunmehr Rechtsanwälte und Gerichte befassen müssten. Allerdings, so Wildfeuer, gebe es noch eine Chance auf eine gütliche Einigung - nämlich einen für den kommenden Montag vereinbarten Termin. "Den wollen wir noch abwarten, dann entscheiden wir über den weiteren Fortgang", so der Architekt.
Kurze Rückblende: Im Dezember 2004 herrschte in Bautzen Freude darüber, dass sich endlich ein privater Investor der schon seit längerem leer stehenden Barockhäuser auf der Inneren Lauenstraße annehmen wollte. Diese stammen aus der Zeit um 1720, als die Bautzener Altstadt nach einem verheerenden Stadtbrand im Stile des Sächsischen Barock neu aufgebaut wurde. Die Innere Lauenstraße erhielt dabei eine besonders prachtvolle Ausgestaltung.
Die Arbeiten begannen pünktlich im Frühjahr 2005 und sollten eigentlich bis Ende 2006 abgeschlossen sein. Doch am 7. Mai 2006 geschah etwas Unvorhergesehenes: Ein Teil der rückwärtigen Anbauten stürzte in sich zusammen. Da es sich um einen Sonntag handelte, befanden sich glücklicherweise keine Menschen auf der Baustelle. Das folgende gerichtliche Beweissicherungsverfahren dauert noch an, die Arbeiten sind seitdem eingestellt. Immerhin gaben die Gutachter bereits bekannt, dass an den Hinterhäusern unsachgemäße Arbeiten durchgeführt wurden, die den Einsturz zur Folge hatten. Die darauf folgenden Verlautbarungen hatten den optimistischen Tenor, dass die Schadensregulierung über die Versicherungen unproblematisch verlaufen würde. Doch offenbar ist es nun doch anders gekommen.
Die Stadt Bautzen immerhin geht nach wie vor davon aus, dass die Arbeiten "zeitnah weitergeführt werden", wie Pressesprecherin Elke Lorenz mitteilt. "Da für das betroffene Bauvorhaben eine Fördervereinbarung besteht, hat die Stadt mit dem Bauherrn unverzüglich Gespräche über die zukünftige Entwicklung geführt." Lorenz räumt ein, dass es zwischen dem Bauherren und der beauftragten Firma "privatrechtlich zu klärende Streitfragen" gebe, über die man sich allerdings nicht äußern könne.