Bautzen wird in den nächsten Tagen zur Osterstadt. Am Ostersonntag locken Osterreiten und Eierschieben auf dem Protschenberg mehr als 10 000 Besucher in die sächsische Stadt. „Alle Hotels und Pensionen sind ausgebucht. Reserven sehe ich noch in der Woche vor und nach dem Fest“, sagte Dietmar Stange, Vorsitzender des Bautzener Tourismusvereins. Für die Oberlausitz ist Ostern der Auftakt in die Urlaubssaison.

Denn von den einzigartigen Traditionen, die Touristen nur rund um Bautzen erleben können, wie Christoph Pilz von der Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO) sagte, profitiere nicht nur das „Osterland“ im Städte-Dreieck Hoyerswerda - Kamenz - Bautzen allein. Auch Hotelbetten in Görlitz, im Oberlausitzer Bergland, in der Westlausitz, im Neißelande, dem Zittauer Gebirge und dem Dresdener Heidebogen hätten durch die Hochsaison eine höhere Auslastung. Die Gäste kommen aus ganz Deutschland. Zusätzlich sind am Ostersonntag noch Tagestouristen vor allem aus Sachsen, Brandenburg und Berlin unterwegs.

Sie wollen dabei sein, wenn am Ostersonntag 1600 Sorben bei neun Prozessionen vom Pferd aus die Botschaft von der Auferstehung Christi verkünden. Ein besinnlicher Teil des Osterfestes ist das jährliche Osterblasen auf dem Protschenberg am Vorabend des Ostersonntags. Die Posaunenchöre aus der Oberlausitz sowie aus Dresden und Umgebung stimmen nach dem Läuten der Domglocke um 18 Uhr die Osterbotschaft „Christ ist erstanden“ an. Die Tradition entstand 1928. Das Eierschieben ist ein großes Kinderfest.

Für die Bautzener Osterstadtmacher vom Tourismus- und Innenstadtverein beginnt das Fest schon eher. „Wir werden die Stadt wieder schmücken. 4000 Stiefmüttchen werden die Straßen der Innenstadt säumen“, sagte Stange. Schon jetzt grüßen aus den Schaufenstern der Läden Figurinen in sorbischen Trachten. Vier Schülerinnen aus dem Sorbischen Gymnasium werden am Karsamstag parallel zum Ostermarkt in Trachten in der Stadt unterwegs sein - als Ansprechpartner für Touristen bei Fragen zu sorbischen Osterbräuchen.

In der Röhrscheidtbastei erzählt ein ehemaliger Osterreiter von der jahrhundertealten Tradition. Für Pilz ist das Osterfest in der Oberlausitz ein gutes Beispiel, wie zwei Kulturen miteinander leben. „Und für dieses Erlebnis kommen die Gäste auch mehr als einmal“, sagte der Touristik-Fachmann. Insgesamt konnten 2016 in der Region östlich von Dresden 679700 Gästeankünfte gezählt werden. Das war mit 2,1 Prozent ein leichtes Plus zu 2015. Allerdings sei die Region mehr als „Osterland“. Besonders bei Wanderern und Radfahrern sei die Gegend zwischen Neiße und Spree beliebt.

Es gibt auch noch einen Geheimtipp für Musikfans: Am Karfreitag wird zu einer Führung durch den Stones-Pavillon in Bautzen (Äußere Lauenstraße 25), eine der größten Ausstellungen zu den Rolling Stones in Deutschland, eingeladen. Pins, Poster, Platten: Die Sammlung ist ein Paradies für Stones-Fans. Neben den alten Schuhen von Keith Richard sind in der Schau, die nur zu besonderen Anlässen und auf Nachfrage geöffnet wird, unzählige Exponate rund um die legendäre Band von Mick Jagger zu sehen. Oder wie wär es mit einer Runde Flipper mit Mick Jagger? Der prangt nämlich riesengroß auf dem Rolling-Stones-Flipperautomaten und schaut einem beim Zocken über die Schulter.