"Die heimische Braunkohle ist in absehbarer Zukunft nur noch begrenzt als Rückgrat der Energieversorgung geeignet", erklärte Michael Simpfendörfer, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, in Bautzen. Der Ministerialdirigent eröffnete hier die erste Veranstaltung der von Minister Stanislaw Tillich initiierten Reihe "Anwendungsbeispiele zur Nutzung erneuerbarer Energien", in deren Zentrum der Einsatz von Biomasse zur Erzeugung von Energie stand.
"Die langfristige grundlegende Umstellung der Energieerzeugung liegt im ökonomischen Interesse des Freistaates Sachsen", so Michael Simpfendörfer. Das Ziel sei es, eine von äußeren Einflüssen weitgehend unabhängige und verlässliche Energieversorgung des Freistaates sicherzustellen. Neben der Einsparung setze die Staatsregierung auf einen breiten Energiemix, in dem die Braunkohle zwar noch an vorderster Stelle stehe, die erneuerbaren Energien aber eine immer wichtigere Rolle spielen.
Simpfendörfer belegte diesen Trend auch mit Zahlen: So sei der Anteil des aus erneuerbaren Quellen (hierzu zählen neben Biomasse unter anderem Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft und Erdwärme) gewonnenen Stromes am Gesamtaufkommen von 10,2 Prozent im Jahre 2005 auf 11,2 Prozent im Jahre 2006 gestiegen, für 2007 prognostiziert man 13 Prozent. 2020 solle der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bei 20 Prozent liegen.
Den Hauptanteil davon stelle die derzeit umstrittenste Form - die Nutzung der Windkraft. Die Energieerzeugung aus Biomasse sei aber stark auf dem Vormarsch -- zu den sachsenweit derzeit 93 Anlagen werden in absehbarer Zeit 65 weitere hinzukommen. Neben Biogas und Holz spielten dabei auch "auf dem Feld gewachsene" Rohstoffe eine immer wichtigere Rolle - "alleine beim Getreidestroh gibt es ein Potenzial von 700 000 Tonnen jährlich, das zur Energieerzeugung eingesetzt werden könnte", so Hans-Joachim Schlegel vom Sächsischen Energieffizienzzentrum, einer Einrichtung des Landesamtes für Umwelt und Geologie. Holzpellets würden nach einem zwischenzeitlichen, spekulativ begründeten Preishoch ebenfalls wieder attraktiv. "Wir wollen, dass immer mehr Landwirte zu Energielandwirten werden", so Schlegel, der damit auch die Möglichkeit eines zweiten wirtschaftlichen Standbeines für die arg gebeutelte Branche andeutet. Im Jahre 2006 arbeiteten nach seinen Angaben im Freistaat Sachsen 5200 Beschäftigte im Bereich der erneuerbaren Energien, der Umsatz der Branche verdreifachte sich seit 2003.