Viele Brandenburger Landwirte fürchten um ihre Existenz: Der Milchpreis ist drastisch von rund 40 Cent pro Kilo Rohmilch auf 25 Cent gesunken ist. Auch die Schweinehalter der Region haben Ebbe in den Kassen Pro Schwein bekommen sie aktuell 25 bis 30 Euro weniger als noch vor einem Jahr.

Aus diesem Grund machten sich am gestrigen Montag um die 70 Landwirte vor der Aldi-Zentrale in Mittenwalde Luft. Außerdem zog ein Milchkorso von Storkow (Oder-Spree) nach Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Mehr als 80 landwirtschaftliche Betriebe nahmen daran teil. Anlass der Aktionen war eine Sondersitzung der EU-Agrarminister in Brüssel. Dort befassten sich die Minister zeitgleich mit der schlechten wirtschaftlichen Situation der europäischen Bauern.

Nach Angaben des Landesbauernverbandes Brandenburg (LBV) droht den deutschen Landwirten unter anderem wegen des Russlandembargos und der Abschaffung der Milchquote in diesem Jahr ein Erlösausfall von 6,2 Milliarden Euro. "Wir Brandenburger Landwirte fordern von der EU praxistaugliche Entscheidungen für marktstabilisierende Maßnahmen", sagt Udo Folgart, Präsident vom Landesbauernverband Brandenburg. Dies müsse unter anderem eine EU-Exportoffensive und Ausgleichszahlungen für Schäden aus dem Russlandembargo enthalten. Außerdem sprach er sich für die Entwicklung eines Sicherheitsnetzes für Krisensituationen aus.

Gerade diese Forderung wird allerdings aus den eigenen Reihen stark kritisiert. "Der Landesbauernverband lässt seine Mitglieder ins Leere laufen, solange er keine konkreten Forderungen stellt", bemängelt Bauernbund-Vorstand Jens Gerloff. Allgemeine Formulierungen wie "Sicherheitsnetz" würden nicht helfen, so der 51-jährige Landwirt.

Länder & Meinung Seiten 4 & 11