Es ist schon ein obskures Bild an diesem Dienstag auf dem Alten Markt in Potsdam. Auf der einen Seite Skulpturen von Wölfen, auf der anderen Seite eine Plaste-Kuh am Galgen und in der Mitte ein Strohanhänger, der zur Bühne umfunktioniert, mit einer Karre Mist und einem Sarg drapiert ist. Dazwischen protestierende Bauern, unter die sich später Landtagsabgeordnete und Minister, unter ihnen auch der zuständige Ressortchef Jörg Vogelsänger (SPD), mischen. Einem der Redner ist das angesichts der seit Wochen tobenden Debatte um die Massentierhaltung in Brandenburg dann auch einen bildlichen Vergleich wert: "Hinter uns die Wölfe, vor uns die Politik." Zähne fletschen wie einige der 63 Skulpturen des Künstlers Rainer Opolka konnte auch so mancher Redner. Und manche verstiegen sich gar nur noch in Ironie.

Ausgerechnet in Brandenburg ein Volksbegehren gegen die Massentierhaltung angezettelt zu haben, das allein trieb den Chefs von Agrarbetrieben, die zu Wort kamen, die Zornesfalten auf die Stirn. Liege doch Brandenburg mit seinen 0,4 Großvieheinheiten je Hektar deutlich im hinteren Drittel der Bundesrepublik. Die meisten Tiere würden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern gehalten.

Die Landwirtschaft in Brandenburg sehe sich seit Monaten diskreditiert, sei zum Spielball verschiedener Interessengruppen geworden. Hinzu käme eine so noch nie dagewesene wirtschaftliche Krisensituation. Der Milchpreis je Liter bewege sich auf die 20 Cent zu - mindestens zehn mehr seien nötig, um wirtschaftlich zu arbeiten. Das Kilogramm Schweinefleisch werde an den Theken für 2,99 Euro verramscht. "Wer das so anbietet und kauft, tritt die Arbeit der Bauern mit Füßen", hieß es so und in abgewandelter Form mehrfach.

Und trotz aller Investitionen ins Tierwohl, geringeren Antibiotika-und Pflanzenschutzmitteleinsatzes würden die Bauern jetzt noch mehr "ans Gängelband" genommen, so der Präsident des brandenburgischen Landesbauernverbandes Henrik Wendorff. Er meinte zu den etwa 100 000 Unterschriften: "Nur fünf Prozent der Wahlberechtigten haben unterschrieben und ich behaupte, Dreiviertel davon haben noch nie einen Stall von innen gesehen." Statt eines faulen Kompromisses und Tierschutzplanes würden die Bauern "eine Nutztierstrategie, einen Bauernschutzplan und gute Erzeugerpreise" brauchen, heißt es in der Erklärung des Bauernverbandes. Dass sich Brandenburg nun einen Tierschutzbeauftragten leisten wolle, das Geld für einen Kinderschutzbeauftragten aber nicht da gewesen sei, zeige das Brandenburger Politikdilemma, so die Vorsitzende des Landfrauenverbandes, Jutta Quoos.

Agrarminister Jörg Vogelsänger und die Fraktionschefs von SPD, Linke und CDU bekräftigten, zur Landwirtschaft zu stehen, und dennoch für den Kompromiss zu stimmen. Ansonsten würden die Landwirte im Zuge der Debatten zur Massentierhaltung zu Unrecht weiter diskreditiert. Iris Schülzke (BVB Freie Wähler) erklärte, den Kompromiss nicht mitzutragen.