Der Umbau begann vor Kurzem mit einem Sensationsfund. Im sowjetischen Pavillon tauchte ein lange verschollenes Wandmosaik wieder auf. Das charakteristische Gebäude mit dem Sowjetstern birgt eine Mosaikwand aus den frühen 50er-Jahren, was lange niemand wusste. Denn die dort zu Stein gewordene Stalin-Verehrung war sogar den Sowjets zu viel. Als Stalin 1953 starb, wurde das Leipziger Kultbild zugehängt. Es war wohl nur für eine einzige Messesaison zu sehen, zusammen mit den überlebensgroßen Lenin- und Stalin-Statuen, die davor standen. 2017 soll in den sowjetischen Pavillon das Stadtarchiv einziehen. Das könnte aber auch noch bis 2018 dauern. Verwundern kann das aber kaum, denn vieles dauert länger auf dem Gelände der alten Mustermesse.

Vor 20 Jahren zog der Messebetrieb endgültig ins neue Messegelände im Norden der Stadt. Dort hatte man fünf nagelneue Riesenhallen auf die grüne Wiese gestellt, nebst schicker Glashalle und Congress Center. 70 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, das wäre in der Innenstadt nicht möglich gewesen.

Die Alt-Messe bekam stattdessen eine wirtschaftliche Neuausrichtung verordnet. Das 50 Hektar große Areal sollte Investoren im großen Stil anlocken. Die Stadt vermarktet es als neues Zentrum für Wirtschaft, Wissenschaft und Freizeit.

Doch gelungen ist das bis heute nur zur Hälfte. Denn die teilweise denkmalgeschützten Hallen sind nicht für jeden Zweck geeignet. Die Hälfte der Flächen ist inzwischen verkauft oder vermietet. Der Rest wird noch immer nicht oder nur sporadisch genutzt. Derzeit dient eine der ramponierten Ausstellungshallen als Flüchtlingsunterkunft. In der seit Jahrzehnten zum Abriss freigegebenen Halle 17 ist eine Unterkunft mit 550 Plätzen eingerichtet. Weitere 500 Plätze sollen in diesem Jahr in der Halle 13 dazukommen.

Im nächsten Jahr aber soll viel passieren. So will die Stadt auf dem Gelände eine große Kindertagesstätte mit 165 Plätzen bauen. In das geplante vierstöckige Gebäude soll auch eine Förderschule einziehen. Zudem will ein großer Fahrradhändler die Halle 15 sanieren und einziehen, so teilt es die stadteigene Entwicklungsgesellschaft LESG mit. Auch der benachbarte Forschungscampus Bio-City will sich in Richtung Alte Messe erweitern. Dort hat der Freistaat 10 000 Quadratmeter erstanden, wo das Forschungszentrum für integrative Biodiversität (Idiv) ein neues Domizil bekommen soll.

Ansonsten dienen weite Flächen der alten Messe der Freizeit. In Messehalle 7 wird auf knapp 9000 Quadratmetern Fußball gespielt. Wo früher Halle 18 stand, gibt es heute Strandsand mit mehreren Plätzen für Beachvolleyball. Halle 16 ist heute eine Großraumdisco namens Volkspalast, Halle 11 ein Supermarkt.