Die Fertigstellung der 1820 Meter langen und 135 Meter hohen Staumauer und des dazugehörigen 1200-Megawatt-Kraftwerks ist für 2013 geplant.
Der Ilisu-Stausee - mit mehr als 300 Quadratkilometern Fläche der zweitgrößte der Türkei - bedroht die idyllisch am Oberlauf des Tigris gelegene, archäologisch bedeutende Stadt Hasankeyf. Dort versammelten sich Umweltschützer und Bürgermeister der Region, um gegen das 1,2 Milliar den Euro teure Großprojekt zu demonstrieren.

Wachsender Energiebedarf
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verteidigte das Bauvorhaben bei der Feierstunde am künftigen Bauplatz mit dem wachsenden Energiebedarf des Landes. Zwei Drittel des Energiepotenzials der Türkei seien bis heute ungenutzt. Das Projekt werde zudem 10 000 Menschen Beschäftigung verschaffen und die Region zu einem „touristischen Zentrum“ machen. Für Bewahrung und Rettung der historischen Kulturdenkmäler in Hasankeyf würden insgesamt 60 Millio nen Euro bereitgestellt. Die Regierung plant, einige der von der Überflutung bedrohten historischen Bauten in einem „Kulturpark“ an anderer Stelle wieder aufzubauen.
Mit dem Bau des Staudamms knapp 50 Kilometer vor der syrischen Grenze müssen mehr als 10 000 Menschen umgesiedelt werden, die bislang von Landwirtschaft und Viehzucht oder vom Tourismus leben. Der Bürgermeister von Hasankeyf, Abdulvahap Kusen, warnte bei der Kundgebung der Staudammgegner davor, dass diese Menschen in die großen Städte abwanderten, wenn Hasankeyf in den Fluten versinken sollte.

Mittelalterliche Bauten
Archäologen befürchten vor allem den Verlust eines „Ensembles an mittelalterlichen islamischen Bauten“ , das „in dieser Dichte kein zweites Mal in Anatolien anzutreffen ist“ . Am Bau des Staudamms sind Firmen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland beteiligt. (dpa/cd)