Geburtstages nicht anders. Eine Fotowand zeigte ein kleines Gästebuch der Wichtigen: Helmut Schmidt, Willy Brandt, Helmut Kohl, Angela Merkel und viele andere. Mit Joachim Gauck hielt ein leibhaftiger Bundespräsident die Festrede.

Fast jeder Deutsche kennt die blaue Wand mit dem Schriftzug "Bundespressekonferenz". Kanzler haben hier gesessen, Kanzlerkandidaten, Minister, Sachverständige, Lobbyisten. Und viele Regierungssprecher. Früher in Bonn war die Wand braun getäfelt, man durfte noch rauchen. In Berlin liegt das Gebäude direkt in Sichtweite des Reichstages und ist mit seinen zahlreichen Konferenzräumen so etwas wie ein Basar der Nachrichten geworden.

Kernstück ist drei Mal in der Woche die Regierungspressekonferenz, bei der die Sprecher aller Ministerien anrücken und so lange sitzen bleiben müssen, bis auch die letzte Frage beantwortet ist. Und das entscheidet der Sitzungsleiter, selbst ein Journalist. Dass die Presse das Hausrecht hat, und die Politik zu Gast ist, das ist die große deutsche Besonderheit, auf die der Verein stolz ist wie auf sonst nichts. "Die Bundespressekonferenz ist gelebte Pressefreiheit", lobte Gauck.

Aber es gibt auch Probleme. Noch immer sind zwar mehr als 900 Journalisten Mitglied, beinahe alle Medien sind vertreten. Doch ist die Tendenz sinkend, wegen der Zeitungskrise. Außerdem wird längst woanders mehr und intensiver recherchiert als hier. Und auch berichtet. Im Internet zum Beispiel. Bei Twitter. Oder live bei Phönix. Das Tempo des Nachrichtenumschlages hat sich enorm beschleunigt, da kann niemand mehr nur auf Pressekonferenztermine warten.

Gauck machte diese Beschleunigung gestern zum Schwerpunkt seiner Rede: Innerhalb der drei Quadratkilometer Berlin, die das Regierungsviertel ausmachten, gelte irgendwie alles als eilig, sagte er. "Auch das, was der Entschleunigung, der intensiven Betrachtung und der doppelten Prüfung bedarf." Der Saal der Bundespressekonferenz war für diese Kulturkritik allerdings womöglich der falsche Ort. Dort stürmt selten jemand entfesselt ans Telefon. Denn was hier mitgeteilt wird, ob von Regierungsstellen oder Lobbyverbänden, ist wohl vorbereitet. Die Ministeriumssprecher zum Beispiel haben morgens schon mehrere Koordinierungsrunden durchlaufen und versucht, alle möglichen Fragen vorzuempfinden, ehe sie sich den Journalisten stellen. Oft mit nichtssagenden Antworten. "Über interne Gespräche geben wir grundsätzlich keine Auskunft" ist besonders beliebt. Die Teilnehmerzahlen sind deswegen gesunken, außer wenn die Kanzlerin kommt. Dann ist der Saal brechend voll.

Neuerdings versucht der Verein, seine Attraktivität mit neuen Angeboten zu steigern. Es gibt vertrauliche Hintergrundgespräche, bei denen nur die (360 Euro im Jahr) zahlenden Mitglieder zugelassen sind. Und es kommen besondere Gäste. Kürzlich zum Beispiel Nato-Generalsekretär Fogh Ra smussen und Griechenlands radikaler Oppositionsführer Tsipras.