An der Tür verkündet ein Schild, dass die Museen in dem ehemaligen Bischofspalast "wegen des Gipfeltreffens der Nato" vorübergehend geschlossen sind. Auf Hochtouren liefen die Vorbereitungen für den Jubiläumsgipfel, der am Wochenende das 60-jährige Bestehen der Nato feiern soll, am Montag auch in den deutschen Tagungsorten Baden-Baden und Kehl. In Baden-Baden errichteten Arbeiter Barrieren rund um das Kurhaus, wo der Gipfel am Freitagabend mit einem Gala-Dinner beginnt. Andere waren mit dem Aufbau einer Presse-Tribune für rund 300 Reporter-Teams beschäftigt. Der ehrwürdige Kurpark ist bereits vollständig eingezäunt. In einem Teil des Parks wurden elf Hubschrauber-Landeplätze eingerichtet."Protest-Camp" bei StraßburgAn der Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl kontrollieren deutsche und französische Grenzpolizisten bereits seit Tagen aufmerksam Wagen, welche die Grenze in Richtung Straßburg passieren. Sie halten Ausschau nach potenziell gewaltbereiten Nato-Gegnern. Sie sollen an der Zufahrt zu einem "Protest-Camp" gehindert werden, das südlich von Straßburg errichtet wurde. Die Sicherheitskräfte auf beiden Seiten des Rheins rechnen mit mehreren Zehntausend Demonstranten.Für die Sicherheitskräfte auf beiden Seiten des Rheins bedeutet der Gipfel eine beispiellose Herausforderung. Schließlich gilt es, die Staats- und Regierungschefs der 26 Nato-Staaten sowie der künftigen Neumitglieder Kroatien und Albanien vor Terror-Anschlägen zu schützen und zugleich angekündigte Störmanöver der Nato-Gegner zu verhindern. Und dies auf einer Fläche von mehr als 2000 Quadratkilometern - zwischen Baden-Baden, dem 65 Kilometer entfernten Tagungsort Straßburg und der badischen Grenzstadt Kehl. Dort sollen sich die Politiker am frühen Samstagmorgen auf einer Fußgängerbrücke über dem Rhein zum traditionellen Familienfoto versammeln. Entsprechend massiv ist das Aufgebot an Sicherheitskräften. Auf der deutschen Rheinseite sind an die 15 000 Polizisten und 600 Bundeswehrsoldaten mobilisiert, im Elsass mindestens 9000 Polizisten und Gendarme.Innenstadt als "rote Zone" Auch bei den Nato-Gegnern laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nach einer Auftaktdemonstration am Montagabend in Freiburg sind die ganze Woche über Kundgebungen und Protestaktionen geplant. Allein in Baden-Baden sind für Freitag vier Demonstrationen angekündigt. In Straßburg soll am Samstag die zentrale Abschlussdemonstration stattfinden, über deren Route noch nicht entschieden ist. Die Behörden wollen den Demons trationszug nur am Rande der Stadt genehmigen - mehrere Kilometer vom Tagungsort, dem Kongresszentrum, entfernt. Die Innenstadt, wo US-Präsident Barack Obama am Freitagmorgen den französischen Staatschef Nicolas Sarkozy treffen will, wurde bereits zur "roten Zone" erklärt. Wer dort wohnt oder arbeitet, braucht einen Ausweis, um die Absperrungen zu passieren. Die Behörden kündigten ein hartes Vorgehen gegen gewaltbereite Demonstranten an. Als "letztes Mittel gegen Gewalttäter" würden Festnahmen erfolgen, teilte das Stuttgarter Innenministerium mit. In baden-württembergischen und elsässischen Gefängnissen wurden bereits mehr als 250 Zellen frei gemacht.