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Barmer Gesundheitsreport
Die gesündesten Brandenburger leben in Spree-Neiße

Erkältungen und Infekte der oberen Luftwege gehören ebenso wie Rückenschmerzen zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen im Land Brandenburg.
Erkältungen und Infekte der oberen Luftwege gehören ebenso wie Rückenschmerzen zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen im Land Brandenburg. FOTO: Fotolia/Photographee.eu / Photographee.eu - stock.adobe.co
Cottbus. Die gesündesten Brandenburger leben im Landkreis Spree-Neiße. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport Brandenburg der Barmer-Krankenkasse hervor, der gestern in Cottbus vorgestellt wurde. Allerdings sind die Brandenburger immer noch länger und häufiger krankgeschrieben als der durchschnnittliche Bundesbürger. Von Beate Möschl

Im Landkreis Spree-Neiße gab es 2016 den niedrigsten Krankenstand. Wie die Barmer Belrin-Brandenburg berichtet, haben an einem durchschnittlichen Kalendertag 54 von 1000 Beschäftigten im Landkreis Spree-Neiße krankheitsbedingt gefehlt. In der Stadt Cottbus waren 55 von 1000 bei der Barmer-Krankenkasse versicherten Beschäftigten - das war der drittniedrigste Krankenstand an einem Arbeitstag im Land Brandenburg. Im Landkreis Barnim fehlten 2016 krankheitsbedingt 63 von 1000 Beschäftigten. Das ist der höchste Krankenstand im Land.

Für den Gesundheitsreport hat Brandenburgs zweitgrößte gesetzliche Krankenkasse die Daten von erwerbstätigen Versicherten aus dem Jahr 2016 analysiert. Demnach waren 63,3 Prozent der Barmer-Versicherten im Land Brandenburg im Jahr 2015 mindestens einmal krank. Am meisten Beschwerden verursachten Rücken, Psyche und Erkältungen. „Wir stellen auch fest, dass die Brandenburger länger und häufiger krank sind als der Durchschnitt der Bundesbürger“, sagt Landesgeschäftsführerin Gabriela Leyh und fügt an: „Der Krankenstand lag im vergangenen Jahr bei 5,85 Prozent. Das heißt, dass an einem durchschnittlichen Kalendertag des Jahres 2016 von 1000 Beschäftigten in Brandenburg rund 59 krankgeschrieben waren.“ Im Bundesdurchschnitt waren es rund 48.

21,3 Tage war ein Arbeitnehmer im Land Brandenburg im vergangenen Jahr im Durchschnitt krankgeschrieben. Länger dauerte eine Krankschreibung je Versichertem nur in Mecklenburg-Vorpommern mit 21,6 Tagen. In Sachsen waren es 19 Tage.

Warum das so ist, und warum die Beschäftigten im Landkreis Spree-Neiße und Cottbus seltener krankgeschrieben sind, hat die Barmer nicht untersucht. „Wir bekommen und erfassen ja nur die Diagnosen, nicht die Ursachen der Erkrankung“, sagt Gabriela Leyh. Allerdings hat sich die Krankenkasse mit dem Einfluss gesundheitlicher Faktoren auf die Gesunheit beschäftigt und festgestellt: „Ein ganz ausschlaggebender Faktor ist die Art der Beschäftigung. Gemessen an den Faktoren Krankenstand, Krankenhausbehandlungen, ambulant-ärztliche Behandlungen und verordnetes Arzneimittelvolumen stellen wir bei unserem gesundheitsreport fest, dass Arbeitnehmer in Leiharbeit und befristeter Beschäftigung deutlich häufiger mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, als Arbeitnehmer in normalen Beschäftigungsverhältnissen.“ Auch somatische Erkrankungen machen Leiharbeitern und befristet Beschäftigten stärker zu schaffen.

Die seelische Gesundheit spielt generell eine große Rolle bei den Erkrankungen in Brandenburg. Ungeachtet der Beschäftigungsform gehören psychische Erkrankungen neben Muskel-Skelett- und Atemwegserkrankungen zu den Krankheitsarten, die in Brandenburg zu den häufigsten und längsten Krankschreibungen führen. Auch hier gibt es deutliche regionale Unterschiede:

Husten, Schnupfen, Heiserkeit waren 2016 am stärksten in Frankfurt (Oder) verbreitet, 3,7 Fehltage je Versicherten gingen im vergangenen Jahr in Frankfurt (Oder) auf das Konto von Erkältungskrankheiten. Der Landkreis Spree-Neiße indes war mit 2,5 Fehltagen je Versicherten am wenigsten betroffen. In Cottbus und dem Landkreis Elbe-Elster schlugen Erkältungskrankheiten mit 3,1 Fehltagen pro Versichertem zu Buche. Besser schnitt der Landkreis Oberspreewald-Lausitz ab, mit drei Fehltagen je Versichertem. Im Landkreis Dahme-Spreewald waren es 3,4 Fehltage. Damit lagen der Süden Brandenburgs und die Landkreise Görlitz und Bautzen in Nordostsachen mit jeweils drei Fehltagen wegen Atemwegserkrankungen nur geringfügig auseinander.

Bei den Ausfalltagen wegen psychischer Erkrankungen ordnet sich der Süden Brandenburgs im unteren Mittelfeld ein. Der Barmer-Gesundheitsreport weist für die Stadt Cottbus mit 3,1 Fehltage je Versichertem aus. In Spree-Neiße und Elbe-Elster sind es jeweils 3,3 Fehltage je Versichertem. Mehr waren es im Landkreis Oberspreewald-Lausitz (3,5 Fehltage) und in Dahme-Spreewald (3,7 Fehltage). Den landesweit höchsten Wert erreichte Frankfurt (Oder) mit 4,3 Fehltagen. Im Landkreis Görlitz führten psychische Belastungen im Jahr 2016 zu 2,9 Ausfalltagen je Versichertem, im Landkreis Bautzen waren es 3,9 Fehltage.

„Ich habe Rücken“, hieß es am häufigsten im Landkreis Barnim. Hier wurde mit 5,4 Fehltagen wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen der höchste Wert erreicht. Für die Landkreise Dahme-Spreewald und Elbe-Elster weist der Barmer-Gesundheitsreport jeweils fünf Ausfalltage wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen aus. In Oberspreeald-Lausitz kam es zu 4,6 Ausfalltagen, in Spree-Neiße waren es 4,7 und in der Stadt Cottbus 4,8 Fehltage. Ähnliches Bild in Nordostsachsen: Für den Landkreis Görlitz ermittelte die Barmer im statistischen Durchshnhitt 5,1 Fehltage wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen, im Landkreis Bautzen waren es 4,8 Fehltage.