Eigentlich hätte es für Patricia Haynk ein normaler Arbeitstag im Netto-Markt in Altdöbern sein sollen. Pünktlich um 6 Uhr verlässt sie am Freitag die Wohnung, um zum Supermarkt zu laufen. Doch an diesem Morgen ist nichts normal.

Bereits von Weitem steigt einem der beißende Geruch von verbranntem Plastik und verkohltem Holz in die Nase. Vor Ort zeigt sich ein Bild der Zerstörung. Dichte Rauschwaden steigen aus dem Dach des Marktes auf. In der Nacht zum Freitag sind der Supermarkt, die Filiale der Spreewaldbank sowie die Vetschauer Wurstwaren, Bäckerei Fuchs und ein Blumenladen bis auf die Außenmauern abgebrannt. Überall sind heruntergefallene Dachabdeckungen, verkohlte Papierreste und angeschmorte Metallteile verstreut. Die Inneneinrichtung der Märkte lässt sich nur noch erahnen. "Es kommt mir vor wie ein böser Traum", sagt Patricia Haynk verzweifelt. Erst vor einer Woche hat sie den Job in dem Supermarkt begonnen. "Ich weiß noch gar nicht, wie es jetzt weitergehen soll", erklärt die 25-Jährige.

Wie mehrere Anwohner berichten, hat das Drama mit einem heftigen Knall gegen halb drei Uhr morgens begonnen. Peter Lessing aus Döbeln kann das bestätigen: "Wir begleiten ein Indianer-Projekt in der Altdöberner Lilien-Grundschule und sind für eine Nacht in der Turnhalle einquartiert worden. Wir vermuteten zuerst, dass eine Turnmatte umgefallen sei. Als ich wenige Augenblicke später durch die Eingangstür blickte, wunderte ich mich, warum es am Einkaufsmarkt so hell ist", so der Hobby-Indianer, der umgehend die Notrufnummer wählte. Anwohnerin Marina Mickein habe zudem einen dunklen Pkw gesehen, der mit rasantem Tempo die Schulstraße entlangefahren sei.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wurde der Geldautomat in der Bankfiliale angegriffen und gesprengt . Ob die Täter an Geldkassetten gelangen konnten, ist derzeit nicht bekannt "Aufgrund der baulichen Begebenheiten hat das Feuer von der Bankfiliale aus das gesamte Objekt erfasst. Die Flammen suchten sich unter dem Dach ihren zerstörerischen Weg", schildert Einsatzleiter Robert Abt die nächtlichen Geschehnisse. Meterhoch haben sich Qualm und Feuer über dem Gebäude aufgetürmt. Bis zu 19 Einsatzfahrzeuge und 80 Feuerwehrleute aus dem Amt Altdöbern sowie den Städten Großräschen und Calau waren zur Spitzenzeit im Einsatz. Das Gebäude war jedoch nicht mehr zu retten. Die Einsatzkräfte mussten mit ansehen, wie nach und nach das komplette Dach in sich zusammenbrach. Der Schaden geht in die Millionen.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt", ist Ingrid Frey entsetzt. Bis nach Spremberg soll die Rauchwolke gesehen worden sein, wie ihr ein Bekannter mitteilte. Seit mehr als 50 Jahren wohnt die 74-Jährige in einem nahegelegenen Wohnblock, besuchte fast täglich den Supermarkt. "In dem Viertel wohnen viele Ältere. Für sie ist das eine Katastrophe", sagt sie. Viele haben kein Auto oder sind nicht gut zu Fuß. Und der nächste Supermarkt ist am anderen Ende des Ortes.

"Wir werden eine stabile Leichtbauhalle auf dem Parkplatz errichten", kündigt Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount, an. So soll trotz des Brandes eine Nahversorgung gewährleistet werden. Spätestens in drei Wochen soll die Übergangslösung fertiggestellt sein. "Unsere Mitarbeiter werden dort weiterhin beschäftigt sein", sagt sie. Der Netto-Markt Altdöbern bleibe auch in Zukunft erhalten. Kunden der Spreewaldbank müssen jedoch vorerst auf die Filialen in Vetschau oder Calau ausweichen.

Quelle: YouTube; User: Mopo24