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Bankautomatensprenger zieht's in die Städte

Am Cottbuser Altmarkt ist am frühen Mittwochmorgen im Vorraum des Hauses des Handwerks ein Bankautomat der Sparkasse Spree-Neiße gesprengt worden. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen.
Am Cottbuser Altmarkt ist am frühen Mittwochmorgen im Vorraum des Hauses des Handwerks ein Bankautomat der Sparkasse Spree-Neiße gesprengt worden. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Nach dem Anschlag auf einen Geldautomaten am Cottbuser Altmarkt haben am Mittwoch die Experten des Landskriminalamtes (LKA) die Ermittlungen übernommen. Dort wurde bereits 2015 die Soko "Fläming" gegründet, die seitdem Dutzende vergleichbarer Fälle untersucht hat. Bodo Baumert / bob

Eine Bande von Bankomatensprengern konnte bereits überführt werden, zwei weiteren sind die Ermittler auf der Spur.

Nachdem die Tatortgruppe des LKA am Morgen Spuren und Zeugenaussagen vor Ort in Cottbus eingesammelt hat, zeichnen sich am Nachmittag erste Erkenntnisse zur Tat ab. "Aufgrund der Vorgehensweise wird davon ausgegangen, dass die Täter auch für andere Taten in Betracht zu ziehen sind", erklärt Sprecher Mario Heinemann gegenüber der RUNDSCHAU. Es gibt also Parallelen zu anderen Fällen in Brandenburg. Damit lässt sich vermuten, dass diesmal keine Trittbrettfahrer am Werk waren, sondern die aufgrund ihrer Vorgehensweise bekannten Profi-Banden, die nicht nur in der Lausitz ihr Unwesen treiben. "Wir gehen weiterhin von zwei Tätergruppierungen aus", so Heinemann. "Darunter werden auch Ermittlungen im Zusammenhang mit polnischen Tätergruppierungen einbezogen."

Für die Ermittler sind die Bankomatensprenger schwer zu fassen. Sie gehen in der Regel schnell und gründlich vor, hinterlassen wenig Spuren. Zwischen Explosion und Flucht vergehen nur Augenblicke. Dass die Polizei die Banden noch am Tatort oder auf der Flucht antrifft - so wie in Falkenberg, Luckau oder Bernsdorf - ist die Ausnahme.

Diesmal gibt es zumindest Hinweise zur Fluchtroute der Täter. "Vom Tatort sind die Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Pkw in Richtung Sandow geflohen", bestätigt Heinemann. Weiter lässt sich ihre Spur bisher nicht verfolgen - zumindest macht die Polizei dazu keine Angaben.

Dass die Täter diesmal mitten in Cottbus zugeschlagen haben, ist zunächst verwunderlich. "Bei der Auswahl der Tatobjekte bevorzugen die Täter Geldautomaten, die sich in ländlichen Regionen oder am Stadtrand befinden und eine gute Verkehrsanbindung aufweisen", schreibt das Bundeskriminalamt in seinem gerade veröffentlichten Lagebild "Angriffe auf Geldautomaten". Auch in Brandenburg und Sachsen war das bisher der Fall. Direkte Fluchtwege, vorzugsweise zur Autobahn, wurden gewählt. Warum diesmal nicht?

"Tatgelegenheiten werden unter verschiedenen Aspekten gesucht. Auch in der Vergangenheit sind bereits Tatorte in Innenstädten ausgesucht worden", gibt Polizeisprecher Heinemann zu bedenken. In Lübben etwa schlugen die Banden im vergangenen Oktober zu, ebenfalls am Marktplatz. Die Rathausfront wurde damals in Mitleidenschaft gezogen, so stark war die Explosion. Die Täter entkamen - genau wie in Cottbus.

Was kann man tun, um die Banden zu stoppen? "Die Zeugenaussagen und weitere kriminalistische Erkenntnisse werden jetzt im Rahmen der Sachbearbeitung geprüft und in die fortlaufenden Ermittlungen mit einbezogen", sagt Heinemann. Wie nah die Ermittler möglicherweise an den Tätern dran sind, verrät die Polizei natürlich nicht.

Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke hat zudem kürzlich noch einmal an die Banken appelliert, ihre Automaten entsprechend zu schützen. Es gibt technische Systeme, die beispielsweise das Gas neutralisieren können, ehe es im Inneren des Automaten explodieren kann. Solche Systeme sind allerdings auch eine Kostenfrage.

Für die Cottbuser geht der Alltag am Altmarkt zunächst einmal weiter. "Aufgrund der Verwüstungen und der Arbeit am Tatort ist unser Kundenzentrum derzeit gesperrt", erklärt Christoph Schäfer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. "Wir bitten um Verständnis, dass der Zugang über den Altmarkt nicht gewährleistet ist, sondern über die Klosterstraße erfolgen muss. Alle Dienstleistungen der Handwerkskammer sind dennoch gesichert, und auch unsere Öffnungszeiten bleiben bestehen."

Die SB-Geschäftsstelle der Sparkasse bleibt hingegen bis auf Weiteres geschlossen. "Wir bieten unseren Kunden einen umfassenden Service zur Bargeldversorgung, deshalb stehen in unmittelbarer Nähe weitere Geldautomaten zur Verfügung, etwa in den Geschäftsstellen Spreegalerie, Blechen-Carré, Breitscheidplatz und Sandow", sagt Unternehmenssprecherin Anja Schroschk.

Zum Thema:
Im Jahr 2016 wurden dem Bundeskriminalamt (BKA) im Phänomenbereich "Sprengung von Geldautomaten" 318 Fälle bekannt. In 128 Fällen gelangten die Täter an Bargeld. Das geht aus dem aktuellen Lagebild des BKA hervor. Neben Brandenburg und Sachsen gehören Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu den Schwerpunkt-Regionen. (bob)Mehr zum Thema: www.lr-online.de/geldautomat