Vier Jahre nach dem Krieg, der zum Sturz des Regimes von Saddam Hussein führte, ist es schwierig, im Irak überhaupt noch Menschen zu finden, die eine positive Bilanz dieses Feldzugs ziehen. Der Hass auf die "Besatzungstruppen" hat inzwischen sogar einige frühere Kriegsbefürworter erfasst. Die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten ist für viele Iraker eine Folge der Invasion.
Nur die kurdischen und schiitischen Parteien, die durch den Umsturz an die Macht kamen, sind weiter der Meinung, dass der Preis, den die Iraker bezahlt haben, "um sich von dem Tyrannen zu befreien", nicht zu hoch war. Zu ihnen gehört Abbas al-Bajati, der für die Schiiten-Allianz von Ministerpräsident Nuri al-Maliki im Parlament sitzt. "Vier Jahre nach dem Sturz des Saddam-Regimes gibt es im Irak Freiheit und Demokratie", sagt er.

Mafia-ähnliche Gruppierungen
Dem Ex-Machthaber weint zwar kaum jemand eine Träne nach. Doch für viele Iraker war das Leben unter seinem diktatorischen, aber berechenbaren Folterregime einfacher als heute. "Im Irak herrschen heute mafia-ähnliche Gruppierungen. Die Situation ist so verfahren, dass das Beste, worauf man hoffen kann, die Entstehung einer Militärdiktatur in der nächsten Generation ist", so die ernüchterte Bilanz eines westlichen Irak-Kenners.
Ähnlich pessimistisch äußert sich Sir Jeremy Greenstock, der nach dem Krieg als Londons Gesandter im Irak war. Er wirft US-Präsident George W. Bush und dem britischen Ministerpräsidenten Tony Blair vor, sie hätten das Land militärisch eingenommen, ohne einen vernünftigen Plan für eine Nachkriegsordnung zu haben. Außerdem seien sie ideologisch so verblendet gewesen, dass sie nicht auf die Ratschläge ihrer Kommandeure und Diplomaten im Irak gehört hätten.
"Der Krieg war ein schwerer Fehler, dessen Opfer das irakische Volk ist", sagt Ex-Industrieminister Osama al-Nadschafi, der zu den Abgeordneten der säkularen Irakischen Liste des einstigen Kriegsbefürworters Ijad Allawi gehört. "Den Amerikanern ist es nach dem Krieg nicht gelungen, im Irak ein demokratisches System zu etablieren, stattdessen haben sie Herrschaftsformen geschaffen, die auf der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgruppe basieren."

Abschreckendes Beispiel
Nach UN-Schätzungen wurden seit der Invasion im Irak zwei Millionen Menschen vertrieben. Mehr als zwei Millionen flüchteten ins Ausland. "Wir haben 1,3 Millionen Iraker in Syrien, die aus der Oase der Demokratie geflüchtet sind", erklärt Syriens Botschafter in Washington. Was er nicht sagt, ist, dass es Syrien und anderen Staaten gar nicht so unrecht ist, dass sie Oppositionellen im eigenen Land den Irak als abschreckendes Beispiel vor Augen führen können. Ganz nach dem Motto: "Ihr wollt Demokratie, gut, dann gibt es auch hier bald US-Besatzung und Autobomben-Anschläge."