Gute Laune, Blödsinn und Tanz sind die Stichwörter des Abends. Hunderte Narren aus der Region öffnen die Tür zum großen Saal der Stadthalle. Sie treten ein in eine schillernde, andere Welt. In dieser Nacht werden Lausitzer zu Chamäleons, sie schlüpfen in eine Rolle. Ob Matrose, klassischer Clown, im Bienenkostüm, als Pirat oder nur mit Narrenkappe: Bei der Gala "Heut' steppt der Adler" ist jedes denkbare Kostüm zu finden. Selbst die Kameras des RBB, die die große Karnevalssause für das Fernsehen aufzeichnen, sind mit Ballons geschmückt.

"Achtung gleich geht es los und toi, toi, toi", sagt Zeremonienmeister Matthias Luttmer ins Mikrofon. Da ist es gerade erst 14.30 Uhr und der Saal halb leer. Die Genrealprobe beginnt. Vorher wurde die Technik überprüft, letzte Kabel befestigt und noch einmal der Ablauf besprochen. Mit Paukenschlag und Konfetti startet der Probelauf. Die jüngste Teilnehmerin macht sich währenddessen mit Dehnübungen warm. Mariechen Elifnur Aygan wird in einigen Stunden ganz allein auf der großen Bühne vor Hunderten Gästen tanzen.

Zeremonienmeister Matthias Luttmer kündigt die frischgebackene Landesmeisterin Berlin-Brandenburg im Jugendtanz an und fragt: "Müssen wir jetzt nicht eigentlich vorher noch fegen?" Das ist der Job von Andreas Krüger und Nico Venedey vom Großräschener Carneval-Club. Die beiden Jungs lieben den Karneval. "Nur dort kann man sich zum Affen machen und niemand nimmt es einem am nächsten Tag krumm", begründet Andreas Krüger. Auch der Zusammenhalt unter den zahlreichen Vereinen schätzt er: "Selbst wenn man sich nicht kennt, wird man hier als alter Bekannter begrüßt." Friedlich feiern könne man eben vor allem in der fünften Jahreszeit.

Und das taten die Narren aus der Region auch am Abend. Das Eröffnungslied "Ohne Karneval können wir nicht leben" erklingt, die Gäste schunkeln und singen sofort mit. Der große Kameradrehkran schweift über die Zuschauer, dann zur Bühne und fokussiert schließlich die Garde Brandenburg. Die Gäste sind begeistert. Doch nicht nur die Mädels in kurzen Röckchen bringen das Publikum zum Jubeln, sondern auch die Jungs aus der Sängerstadt Finsterwalde. Sie entführen die Narren mit gruseligen Kostümen, rockigen Liedern und einer tollen Show in den "Circus des Grauens". Später ist von den Kostümen nicht mehr viel zu sehen, standen sie schließlich nur noch in schwarzer Unterwäsche mit der Aufschrift "Sexy!" da.

Erhard Meißner hat sich für die Show spitze Stacheln an seinen Wangen befestigt. Er tanzt bereits seit 22 Jahren im Männerballett Finsterwalde: "Und ich hab noch keine Veranstaltung bisher verpasst", erzählt er stolz. Nervosität kennt er nicht mehr.

Seit Ende August proben die insgesamt 20 Männer zweimal pro Woche, damit an so einem Abend auch alles glatt läuft. Auch bei den "Spaßvögel"-Kollegen vom MCE Finsterwalde ist das Pappschild mit der Aufschrift "Jubel", das ab und an für die Zuschauer hochgehalten wird, überflüssig. Heino, Nina Hagen, die Wildecker Herzbuben, Elvis oder die Beatles lassen die alten Melodien mit frischen neuen Texten erklingen.

"Hier bei uns im Osten wird Freundschaft nie was kosten" singen hingegen die "Schwarzefüße" aus Eberswalde. Bei diesem Lied hebt es auch den letzten Gast aus seinem Sitz. Das Gaglower Blümchen Wilfried Hillebrand nimmt in der Bütt den BER, Beamte und die Politik aufs Korn. Mit Aussagen wie "Niemand hatte die Absicht einen Flughafen zu eröffnen" sind schnell Lacher auf seiner Seite.

Zwar hieß es nach dem vierstündigen Programm "Kamera aus!", doch ans nach Hause gehen, dachte anschließend noch keiner der Narren. Wer die große Gala verpasst hat, der kann sie sich am 10. Februar um 20.15 Uhr im RBB anschauen.

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