6000 Leute haben für das mögliche Super-Bundesland bereits unterschrieben. Mitteldeutschland ist eine Einheit, die so nie existierte. Es sei denn, man beruft sich auf die alten Wettiner, die in allen drei Ländern Land besaßen. Um die politische Landkarte dermaßen zu verändern, hat das Bundesinnenministerium die Hürden hoch gehängt. Für einen entsprechenden Antrag auf ein Volksbegehren müssen mindestens 7000 Unterschriften beisammen sein.

Dieses Ziel ist nun nicht mehr weit. "Wir stehen kurz vor dem ersten Sieg", verkündet Bernward Rothe. Der 55-jährige SPD-Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt hat vor Jahren die Initiative Mitteldeutschland auf den Weg gebracht. Über den Sommer trieben Rothe und seine Mitstreiter im Großraum Halle-Leipzig 6000 Unterschriften ein.

An einem Augusttag unterschrieb am Infostand auf der Stuttgarter Allee im Leipziger Plattenbau-Paradies Grünau der 3500. Bürger. Bergfest für die Initiative. Wer genau hinschaut, dem springt die Symbolik ins Gesicht: "Stuttgart und Leipzig sind als zentrale Städte miteinander vergleichbar", notierte Rothe auf seiner Homepage, "wie Baden-Württemberg als ein durch Volksentscheide aus drei Klein staaten entstandenes Land mit Mitteldeutschland vergleichbar ist".

Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt. Länder mit Bindestrich deuten auf Verwaltungsehen, die irgendwann auf dem Weg vom 300-teiligen Staatenbund zum 16-teiligen Bundesstaat geschlossen wurden. Meistens nicht aus Liebe, sondern des Geldes wegen. Wenn sich zwei Länder eine Landesverwaltung teilen, braucht nur eine bezahlt zu werden. Zumal man ohnehin in der Länderkammer die gleichen Interessen verfolgt.

Als Schicksalsjahr für Mitteldeutschland peilt Rothe 2015 an, dann finden in allen drei Ländern keine Landtagswahlen statt. Vorzugsvariante ist eine Vollfusion der drei Länder. Alternativen wie die Zuordnung des Nordens von Sachsen-Anhalt zu Brandenburg oder des Südens von Thüringen zu Bayern "können 2016 Befragungsgegenstand werden", kündigt die Initiative an. Den Volksentscheid will Rothe am besten zur Bundestagswahl 2017 durchführen - um am ehesten das Quorum von 25 Prozent der Wahlberechtigten zusammenzukriegen. Wenn es klappt, könnte Mitteldeutschland im Januar 2020 Wirklichkeit sein. Ab dann werden zudem alle Länder und der Bund auf die Schuldenbremse verpflichtet - ein Augenblick der Wahrheit für die finanzschwachen Länder.

Dabei ist es kein Zufall, dass die Initiative ausgerechnet aus Sachsen-Anhalt kommt. Im Bundesländer-Ranking zur wirtschaftlichen Leistungskraft dümpelte das Land zuletzt auf dem vorletzten Platz, Sachsen und Thüringen landeten solide im Mittelfeld. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sich bislang zum Thema Mitteldeutschland durchweg vorsichtig. "Wenn Länderfusionen bundespolitisch gewollt sind, die Interessen der schwächeren Länder dabei berücksichtigt werden, werden wir uns in Mitteldeutschland der Fusionsfrage sicher nicht verschließen", sagte Haseloff 2013 in der "Welt". Ähnlich sind die Signale der CDU-regierten Nachbarn.

Die Wirtschaft ist da schon weiter. Im März fusionierte die Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH mit der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland GmbH zur Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland mit Sitz in Leipzig.