Das Land Brandenburg braucht mehr Platz für Flüchtlinge - als Unterkunft wird auch der alte Landtag in Potsdam in Betracht gezogen. Das Parlamentsgebäude ist zumindest ab 2014 frei, wenn das neu erbaute Stadtschloss als Sitz des Parlaments eröffnet wird.

In Brandenburg wurden bis Ende September 1850 Flüchtlinge aufgenommen, deutlich mehr als im gesamten Jahr 2012. Die Regierung appellierte an Kreise und Kommunen, Unterkünfte zu schaffen.

Das Sozialministerium brachte die Nutzung des ehemaligen Landtags in Potsdam ins Spiel, bestätigte am Dienstag Sprecher Florian Engels Medienberichte. Ob es sich für Asylbewerber eigne, liege in der Verantwortung der Kommune, betonte er. Die Stadt Potsdam wolle das prüfen, sagte Sprecher Jan Brunzlow. Untersucht werde auch, ob ein seit Jahren leerstehendes Studentenwohnheim in Babelsberg für Asylbewerber geeignet sei.

Bis Jahresende will die Stadt gemeinsam mit dem Eigentümer der Liegenschaft über die endgültige Nutzung des Landtags entscheiden. Es gibt auch Pläne für Erweiterungsbauten für wissenschaftliche Einrichtungen und den Umbau der denkmalgeschützten Gebäude zu Wohnungen.

Das Landtagsgebäude auf dem etwa 39 000 Quadratmeter großen Areal auf dem Brauhausberg müsste mit großem Aufwand für Asylbewerber hergerichtet werden. Die Räume wurden bislang als Büros genutzt, es fehlen WCs, Duschen und Küchen.

Weitaus fortgeschrittener sind Überlegungen einer Asylbewerber-Unterkunft auf dem ehemaligen Militärstandort Wünsdorf (Teltow-Fläming). Dort waren zuletzt russische Soldaten stationiert. Aus Sicht des Finanzministeriums ist diese Liegenschaft besser geeignet, sagte Sprecherin Ingrid Mattern. Sie wäre kostengünstig und schnell herzurichten. Nach Abzug der russischen Soldaten sollte dort Mitte der 1990er Jahre ein Behördenzentrum entstehen.

Das Land macht bei der Suche nach Flüchtlingsunterkünften insgesamt mehr Druck auf Kommunen und Landkreise. Vergangene Woche hatte das Sozialministerium die Kreise und kreisfreien Städte angewiesen, zügig für eine Unterbringung zu sorgen. Sonst behalte sich das Land ein Eingreifen vor, hieß es.