Jahrelang hat George W. Bush den väterlichen Rat in Sachen Irak nicht befolgt. Jetzt soll die "alte Garde" von Ex-Präsident George H. W. Bush als eine Art Rettungsmannschaft den Sohn davor bewahren, immer tiefer im irakischen Morast zu versinken und außerdem die Familienehre retten. So beschreibt das Nachrichtenmagazin "Newsweek" den raschen Aufstieg von Ex-Außenminister James Baker sowie von Robert Gates, Ex-CIA-Chef und designierter Verteidigungsminister.
Der 76-jährige Baker leitet gemeinsam mit dem Demokraten Lee Hamilton die unabhängige "Iraq Study Group". Der gehören je fünf Republikaner und Demokraten an. Die Baker-Kommission soll im Dezember eine neue Irak-Strategie vorlegen. Es sei der "sehnlichst erwartete Bericht in Washington seit vielen Jahren", schreibt die "Washington Post".
Dreieinhalb Jahre nach Beginn des Irak-Krieges ist die Lage im Zweistromland, aber auch im politischen Washington so verfahren, dass es keine einfachen Lösungen mehr gibt. Vor allem nicht, nachdem die oppositionellen Demokraten bei den Kongresswahlen beide Kammern gewonnen haben. Außerdem streiten sowohl bei den Republikanern als auch den Demokraten verschiedene Flügel munter über den Kurs.

Eingeschränkter Blickwinkel erwartet
Angesichts dieses Dilemmas würden beide Parteien darauf warten, dass die Baker-Kommission dem Weißen Haus die politische Rückendeckung gebe, seine idealistischen Ziele von der Schaffung einer Demokratie im Irak aufzugeben, analysiert das Nachrichtenmagazin "Time". Erwartet werde ein eher eingeschränkter Blickwinkel, wonach der Irak soweit stabilisiert werde, dass die US-Truppen ohne katastrophale Folgen das Land verlassen könnten.
Ursprünglich hatte Bush nicht viel für die Baker-Kommission übrig und musste nach Medienberichten von Außenministerin Condoleezza Rice regelrecht überredet werden, ihrer Einrichtung zuzustimmen. Die Kommission wurde am 15. März vom Kongress eingesetzt. Zu den Mitgliedern zählen Ex-Außenminister Lawrence Eagleburger für die Republikaner und Ex-Verteidigungsminister William Perry für die Demokraten. Robert Gates legte sein Amt nieder, weil er neuer Pentagon-Chef werden soll. Im September machte sich die Gruppe im Irak ein Bild vor Ort. Die Mitglieder seien angesichts des Chaos fassungslos gewesen und litten nicht unter irgendwelchen Illusionen, schreibt "Time".
Baker versicherte sich vor Beginn seiner Arbeit bei Bush, ob der Präsident überhaupt zu Strategie-Änderungen bereit sei. Danach ging die Gruppe in aller Abgeschiedenheit ans Werk. Diplomaten, Generäle, Geheimdienstmitarbeiter, frühere und derzeitige Regierungsmitarbeiter lieferten Ideen. Niemand weiß, was die Gruppe am Ende vorschlagen wird. Einige gezielte Indiskretionen wirken wie Testballons. Danach soll die US-Führung direkte Gespräche mit den Feinden Iran und Syrien führen. Angeregt wird demnach eine internationale Konferenz, um die Lasten auf breitere Schultern zu verteilen. Der von den Schiiten geführten Regierung im Irak soll die Pistole auf die Brust gesetzt werden: Entweder geht sie gegen die Gewalt vor oder die US-Truppen gehen. Die US-Truppen sollen verkleinert und aus Brennpunkten abgezogen werden.
Baker stapelt seit Monaten tief und sagt, seine Kommission sei kein Allheilmittel. Am Wochenende erlebte der ehemalige Chefdiplomat, wie weit die Meinungen einflussreiche Politiker auseinander gehen. Der Parteichef der Demokraten, Howard Dean, meinte, die US-Truppen sollten den Irak verlassen, weil die Iraker politische Spielchen trieben und nur sehen wollten, wer auf dem Rücken der US-Truppen an die Macht gelange. Andere Demokraten wollen den Beginn des Abzugs in vier bis sechs Monaten.

McCain will mehr Soldaten
Dagegen plädiert der einflussreiche republikanische Senator John McCain für eine Verstärkung der US-Truppen. "Die meisten Politiker in diesem Teil der Welt sind vor allem am Überleben interessiert", sagt der Senator. Wenn die USA ein Signal an Regierungschef Nuri al-Maliki sendeten, die Truppen würden abgezogen, dann werde Al-Maliki sich mit anderen verständigen - den Schiitenführern und Milizen.