Allen, die es vor Spannung nicht mehr aushalten können, sei hiermit der Spaß verdorben: Das Spiel endet 1:0 für Preußen/Österreich/Russland/Schweden. Die Franzosen verlieren, Trainer Napoleons Vertrag wird nicht verlängert. Trotzdem: Leipzig ist noch kein Waterloo. Den Preußen steigt der Sieg zu Kopfe. Sachsen spielt für die nächste Zeit in der Regionalliga. Wetten darauf werden allerdings nicht mehr angenommen.

Mittwochabend in der Leipziger City. Vor Auerbachs Keller, dem Lokal, in dem Mephisto einst auf dem Weinfass ritt, stehen komische Gestalten wie die Sardinen in der Büchse. Sie tragen weiße Hosen, Fellhüte und aufgepflanzte Bajonette. Die Herrschaften vom Ordnungsamt stehen daneben, greifen aber nicht ein. Irgendwas wird gleich passieren, denken sich Hunderte Passanten und bleiben einfach mal stehen. Dann passiert wirklich was: Eine Kostümpolonaise marschiert ein. Vorne dran Napoleon, der Franzosenkaiser, gefolgt vom Sachsenkönig, vom Russengeneral und sonstigem diplomatischen Federvieh. Bevor es in den Keller zum Umtrunk geht, zündet man in der Einkaufsstraße ein Friedensfeuer an. Soll ja niemand sagen, man würde hier bloß Kriegsspiele abziehen.

Im Süden von Leipzig freut sich derweil ein alter Steinhaufen. Das Völkerschlachtdenkmal litt lange an seiner Wuchtigkeit. Zwar wird beim Anblick des 91 Meter großen Monuments schon irgendwie klar, was die Erbauer anno 1913 damit sagen wollten ("Nie wieder Krieg!"). Aber wieso man dafür fiese haushohe Reckengestalten braucht, da kratzt sich der heutige Betrachter skeptisch am Kopf. Schiere Größe überzeugt eben auch nicht auf Dauer. Kaiser Wilhelm fand es damals hässlich, es war ihm zu wenig kaiserlich. Bei Architekturkritikern fiel das Ensemble sowieso durch, es widersprach den anerkannten Gesetzen der Harmonie. Aber es war nun mal da. In jüngerer Vergangenheit musste der Koloss nur noch als Location für Konzerte, Gothic-Festivals und (so weit musste es kommen) Badewannenrennen herhalten. Jetzt gibt es endlich wieder einen anständigen Feldgottesdienst.