Für Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist es ein "wichtiger Tag in den deutsch-polnischen Beziehungen". Doch die Ergebnisse des ersten deutsch-polnischen Bahngipfels, der am gestrigen Freitag auf Einladung Woidkes in der Potsdamer Staatskanzlei stattfand, bleiben am Ende eher bescheiden: Künftig soll sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Deutschen Bahn und der Polnischen Staatsbahn um die Zukunft der Schienenverbindungen zwischen den Nachbarländern kümmern, kündigt Woidke an. Auch die Länder wollen sich daran beteiligen.

Bahnchef Rüdiger Grube wird da konkreter: Die Strecke von Berlin nach Stettin soll bis 2020 zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert sein, die Fahrtzeit soll sich auf 80 Minuten reduzieren. Zwischen Berlin und Breslau soll in der Zeit vom Mai bis Oktober 2016 ein direkter "Kulturzug" fahren - dann ist Breslau bekanntlich europäische Kulturhauptstadt. Ob dieser Zug dann über Cottbus und Forst verkehrt und damit den Laufweg des eingestellten Intercity "Wawel" nimmt, ist nach Angaben von Grube aber unklar - denkbar wäre auch eine Verbindung über Dresden und Görlitz, die freilich eine gute halbe Stunde mehr Fahrtzeit beanspruchen würde. In Görlitz sollen schließlich noch in diesem Jahr die bisher in Zgorzelec endenden polnischen Regionalzüge in den Hauptbahnhof der Neißestadt geführt werden. Dadurch ergeben sich laut Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bis zu neun tägliche Umsteigeverbindungen zwischen Dresden und Breslau - dreimal am Tag soll es künftig auch direkte Züge geben. Und zwischen Berlin und Thorn sollen Regionalverbindungen eingerichtet werden.

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage zeigte sich Bahnchef Rüdiger Grube auch offen für einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübbenau und Cottbus. "Wir befürworten alles, was zweigleisig möglich ist", sagte Grube. "Daran arbeiten wir." Bereits vor einigen Wochen hatte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (parteilos) im RUNDSCHAU-Interview darauf verwiesen, dass das zweite Gleis an der notorischen Engstelle im Bundesverkehrswegeplan angemeldet sei. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enok Ferlemann, begrüßte den Ausbau des Eisenbahngrenzübergangs Horka. Dort entstehe eine Güterverkehrsstrecke, die für beide Staaten von großer Bedeutung sei. Wasser in den Wein der Eisenbahner goss lediglich der Staatssekretär im polnischen Infrastrukturministerium, Slawomir Zalobka. Er verwies darauf, dass die Eisenbahn in Polen zwar eine große Bedeutung habe. Doch die Mittel für den Regionalverkehr seien um 80 Prozent gekürzt worden. Für Zugverbindungen wie der kürzlich eingestellten Nahverkehrslinie Frankfurt (Oder)-Posen habe man schlicht kein Geld mehr zur Verfügung.