Der Vorlauf zur Befragung am Mittwoch war spektakulär - dank eines Briefwechsels zwischen dem Bahn-Aufsichtratsvorsitzenden Werner Müller und Ausschuss-Chef Klaus Lippold (CDU). Müller hielt Mehdorns Auftritt noch nicht für sinnig und bat um Verzicht, weil keine neuen Erkenntnisse vorliegen würden. Lippold bestand darauf, vor allem weil die Abgeordneten immer wieder das Gefühl haben, die Bahn und ihr Chef tanzen ihnen auf der Nase herum. Mehdorn indes hatte während seines dreieinhalbstündigen Gastspiels nichts sensationell Neues zu bieten, selbst die Hoffnung des Ausschusses, der Manager würde "Klartext" reden, erfüllte sich nicht wirklich. Teilnehmer berichteten vielmehr, er sei "überhaupt nicht kämpferisch, fast ein bisschen desinteressiert" gewesen. Der Bahnchef habe jedenfalls bekräftigt, vom heimlichen Datenabgleich im großen Stil nichts gewusst zu haben. Auch nicht, dass gegen Rechte der Beschäftigten oder Gesetze verstoßen worden sei. Beurlaubt und krankDen Nachweis zu führen, dass es anders gewesen ist, dürfte dem Ausschuss schwerfallen. Insbesondere, da der von der Bahn beurlaubte Leiter der Revisionsabteilung, eine Schlüsselfigur der Affäre, aus Krankheitsgründen für eine Befragung nicht zur Verfügung steht. Man habe auch "keine Hoffnung", dass sich das ändern werde, hieß es. Die Begleitmusik der Sitzung war daher das eigentlich Interessante. Zum einen der Umstand, dass anonyme Vorwürfe der Aktenvernichtung bei der Bahn aufgetaucht sind. Der grüne Abgeordnete Anton Hofreiter wusste zu berichten, dass offenbar am 7. und 8. Februar "im großen Umfang" Schränke freigeräumt und Akten vernichtet worden seien. Laut Hofreiter hätten sich Bahn-Mitarbeiter anonym auch an ihn gewendet. Klagen über BehinderungenDarüber hinaus haben sich wohl die vom Bahn-Aufsichtsrat als Sonderermittler eingeschalteten Ex-Bundesminister Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin bei dem Kontrollgremium über Behinderungen ihrer Arbeit beklagt. Akten würden erst nach tagelangen Diskussionen herausgegeben, und es würden nicht genügend Computer bereitgestellt. Beide Vorwürfe wies Mehdorn nach Teilnehmerangaben im Ausschuss zurück. Dem müsse man trotzdem nachgehen, forderten die Abgeordneten des Ausschusses fraktionsübergreifend. Ein Abschlussbericht über den Daten-Skandal soll am 27. März dem Kontrollgremium vorgelegt werden. Mehdorn kündigte an, er sei dann erneut bereit, alle weiteren Fragen im Ausschuss zu beantworten.