Welche Termine stehen im Bahn-Konzern an?
Bahn-Manager Volker Kefer wird heute seinen Vorstandskollegen die neuesten Zahlen zu S 21 präsentieren, am Tag danach dem Aufsichtsrat. Durchgesickert ist, dass den Aufsichtsräten eine neue Projektstruktur vorgestellt wird, mit der die Aufgabe S 21 in eine eigene Firma ausgelagert wird. Dadurch könnte auch der in Bedrängnis geratene Kefer aus der Schusslinie genommen werden.

Worüber informiert Kefer?
"Es handelt sich um eine Prognoserechnung", betont S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich. Diese setze sich zusammen aus definitiv eintretenden Kosten, aus Chancen und Risiken. Ziel einer solchen Prognose sei, die Risiken zu minimieren und die Chancen auszuschöpfen. Zu den Spekulationen um 1,5 Milliarden Euro Mehrkosten, mit denen die Kostenobergrenze von 4,5 Milliarden überschritten würde, sagt Dietrich: "Der Kostendeckendeckel ist – Stand heute – nicht gerissen."

Warum werden die möglichen Zusatzkosten jetzt publik?
Die BUND-Landeschefin und S-21-Gegnerin Brigitte Dahlbender vermutet, dass sich im Aufsichtsrat die kritischen Stimmen angesichts der "Milchmännchenrechnung" der Bahn-Manager mehren. Eventuell wolle die Bahn mit einer jetzt von ihr initiierten Kostendebatte einen Ausstieg vorbereiten. "Denn das Projekt ist bereits weit jenseits der Wirtschaftlichkeit."

Welche Mehrkosten sind bereits bekannt?
Ein kundenfreundlicherer Bahnhof am Stuttgarter Flughafen würde nach Angaben des Konzerns mit 224 Millionen zu Buche schlagen. Den Betrag sieht die Bahn – anders als die mit der SPD regierenden Grünen – aber außerhalb des Kostenrahmens. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel bezifferte die Kosten nur auf 150 Millionen Euro. 80 Millionen Euro sollen für Vorschläge aus der S-21-Schlichtung ausgegeben werden; ein einstelliger Millionenbetrag fließt in besseren Brandschutz.

Mit welchen Unbekannten ist zu rechnen?
Es sind derzeit mehr als 50 Prozent der Aufträge bezogen auf die Baupreise (ohne Planungskosten) vergeben – laut Dietrich zum Großteil zu Festpreisen. Besondere Risiken seien aber ausgenommen. Die Projektgegner sehen vor allem Unwägbarkeiten beim Tunnelbau und bei bislang ungenehmigten Streckenabschnitten, auf denen zum Beispiel mehr Lärm- oder Erschütterungsschutz erforderlich werden könnte. SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel verweist auf den geringen Baufortschritt, verursacht etwa durch Baustopps während der Schlichtung oder des Machtwechsels zu Grün-Rot. Nach früheren Bahn-Angaben kostet jeder Monat Verzögerung mindestens zehn Millionen.

Was würden erhebliche Kostensteigerungen für das Projekt bedeuten?
Wird der Kostendeckel gesprengt, kann ein Projektpartner Gespräche aller Finanziers über die Zukunft von S 21 verlangen. Die Bahn versteht nach Dietrichs Worten das so, "dass die Projektpartner gefordert sind, sich an den Mehrkosten angemessen zu beteiligen". Dagegen betont Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) immer wieder: "Sprechen ist nicht zahlen." Möglicherweise wird ein Gericht klären müssen, wie die Klausel zu interpretieren ist.

Ist ein Ausstiegsszenario möglich?
Sozialdemokrat Schmiedel ist von der Unumkehrbarkeit des Projekts überzeugt. Denn ein Ausstieg koste die Bahn drei Milliarden Euro.