Prügelknabe oder Kummerkasten? Ein Sündenbock? Nein, mit solchen Bezeichnungen kann Ines Jahnel nichts anfangen. Als Lärmschutzbeauftragte der Deutschen Bahn dürfte sie von ihren Gesprächspartnern aber auch nur selten warmherzig empfangen werden. Denn egal ob in der Einflugschneise oder an der Schiene - Lärm ist derzeit ein Aufregerthema. Und der Druck der Anwohner zum Beispiel im Mittelrheintal nimmt zu.

Mit Projekten wie einem nun zu gründenden Beirat will Bahn-Expertin Jahnel auf Konsens setzen und für mehr Ruhe entlang der Gleise sorgen. "Es ist gerade jetzt wichtig, stärker zu kanalisieren und den Menschen eine Perspektive zu geben", sagt sie.

Bei der 49-Jährigen laufen seit August alle Fäden zusammen. Die Materie kennt sie zur Genüge: Jahnel war zuletzt Personalleiterin in der Konzernsparte DB Services, bereits seit 1979 ist die studierte Verkehrstechnikerin bei der Bahn beschäftigt. Ein ehrgeiziges Ziel treibt sie an, Jahnel wiederholt es im Gespräch immer wieder: "Verglichen mit dem Jahr 2000 wollen wir den Schienenverkehrslärm bis 2020 halbieren, das ist ein zentrales Unternehmensziel."

Zwar betont die Rostockerin, die Bahn sei "auf dem besten Weg, dieses Ziel auch zu erreichen". Allerdings werfen ihr Kritiker vor, nicht genug dafür zu tun. Jahnel, von DB-Chef Rüdiger Grube als "Gesicht des Lärmschutzes" bezeichnet, sieht das anders: Menschen müsse erklärt werden, dass es beim Thema Lärm einen festen Rahmen gebe und viele Mitspieler. "Wir wollen im Dialog mit den Bürgerinitiativen erklären, dass der Lärm ein gesellschaftliches Problem ist und die Bahn nicht der alleinige Adressat sein kann."

Jahnel hat sich zum Ziel gesetzt, im Streit von Bürgern, Politik und Wirtschaft stärker zu koordinieren, zu "bündeln", wie sie es nennt. Auch unternehmensintern: "Viele positive Ansätze, den Lärm zu reduzieren, wurden bisher in den jeweiligen Ressorts und Geschäftsfeldern bearbeitet", wirbt sie für ihren Posten.

Jetzt sei es wichtig, eine einheitliche Lärmstrategie mit verbindlichen Zielen zu entwickeln und umzusetzen. Hoffnungen setzt sie auch in technische Innovationen wie die sogenannten Flüsterbremsen statt der alten, ratternden Graugussbremsen. Sie reduzieren das Aufrauen der Radfläche und reduzieren so das Rollgeräusch um zehn Dezibel. "Das ist ungefähr so viel wie eine Halbierung des Lärmempfindens", rechnet Jahnel vor. Das Umrüsten ist allerdings eine Mammutaufgabe: Über 180 000 Güterwagen stehen in Deutschland dafür an, jeder dritte gehört der DB Schenker Rail, der Schienengüterverkehrstochter der DB. Und spürbar leiser wird es erst, wenn 80 Prozent aller Güterwagen umgerüstet sind.