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Bahn-Direktion unter Bunkerbeton: DB öffnet geheime Befehlsstelle

Das atomare Inferno blieb ausgesperrt: Hinter schweren Metalltüren und meterdickem Stahlbeton sollte eine knappe Hundertschaft von Experten selbst im Fall eines Atomkrieges den nordbayerischen Bahnverkehr notdürftig am Laufen halten. Von Klaus Tscharnke

Verborgen unter dem Hof des Nürnberger Deutsche Bahn (DB)-Museums wussten nur wenige Eingeweihte von der unterirdischen Befehlsstelle der Bahn. Im Krisenfall sollte sie als atombombensicheres Pendant der benachbarten Bundesbahn-Direktion Nürnberg dienen. Erst nach jahrelangem Tauziehen öffnete jetzt das Verkehrsministerium den Bahn-Bunker.
Diejenigen, die 1975 den ehemaligen Weltkriegs-Bunker zur Befehlsstelle ausbauten, schienen an alles gedacht zu haben, nur nicht an Komfort. Schmucklos und karg präsentieren sich die Schlaf- und Aufenthaltsräume der 99 DB-Spitzenbeamten und Militärs, die hier im Krisenfall ihren Transportauftrag sicherstellen sollten.
Die letzte Übung in dem Bunker hatte nach Recherchen des Museums noch im Jahr 1989 stattgefunden - kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Dennoch wirkt die Befehlsstelle so, als sei die Zeit stehen geblieben. Auf dem Schreibtisch des Präsidenten der Bundesbahn-Direktion als Befehlsstellen-Leiter stehen noch heute Telefone bereit, an den Bunkerwänden prangen Bahnnetz- und Straßenkarten - aus dem geteilten Deutschland. Das Mobiliar versprüht den Charme der 70er-Jahre.
Ein Blick auf die bereitliegenden Arbeitsblätter offenbart derweil, wie ernst Strategen jener Tage die Bedrohungsszenarien des Kalten Krieges nahmen. Schaubilder sollten Experten offenbar beim Berechnen von Flugzeiten abgeschossener atomarer Raketen helfen, lange Zahlenkolonnen lieferten Hinweise über die Zerstörungskraft verschiedener Bombentypen.
Über die genaue Arbeitsweise der aus 28 Räumen bestehenden DB-Befehlsstelle, die es ähnlich auch anderenorts in Deutschland gebe, vermögen auch die Verantwortlichen im DB-Museum nur zu spekulieren. "Nach allem, was wir wissen, sollte von hier aus der Zugverkehr im Spannungs- und Verteidigungsfall gelenkt werden", berichtet Museums-Sprecherin Bittner. Telefone sollten dabei als kurzer Draht zu Bahnhöfen und Stellwerken dienen - sofern diese nach dem Atomschlag noch existierten.
Dabei bildeten die Erbauer des Bunkers die Strukturen der DB-Direktion in der Befehlsstelle nach. Neben der Befehlsstelle finden sich Büros für die Zugdisponenten, die Zugleitung, die Fahrplansachbearbeiter sowie für jene Mitarbeiter, die im Krisenfall vom Bunker aus die Reparatur von Signalen, Fernmeldeleitungen, Bahnstrecken und Bahnbrücken organisieren sollten. Auch für Militärs waren Räume vorgesehen.
Über die Zukunft der Bunkeranlage besteht bei der Deutschen Bahn noch Uneinigkeit. Das DB-Museum würde die Bunkeranlage gerne als authentischen Ort deutscher Eisenbahngeschichte in das Museums-Angebot integrieren. Verantwortliche im Verkehrsministerium und im DB-Konzern gäben sich aber noch zurückhaltend, heißt es im DB-Museum.