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Bahn befreit Kunden von ein paar Großärgernissen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU/l.) und Bahnchef Rüdiger Grube mit Wlan-Buddys, die in den ICE-Zügen den Fahrgästen bei der Einrichtung der Internetverbindung helfen sollen.
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU/l.) und Bahnchef Rüdiger Grube mit Wlan-Buddys, die in den ICE-Zügen den Fahrgästen bei der Einrichtung der Internetverbindung helfen sollen. FOTO: dpa
Berlin. Erst kostenloses Internet, bald auch Spielfilme. Die Bahn löst Versprechen für mehr Komfort beim Reisen ein – bisher aber vor allem im ICE. Werner Kolhoff

Slapstick konnte nicht nur der französische Komiker Jacques Tati. Wie in seinem Film "Die Ferien des Monsieur Hulot" eilen auch in Deutschland Menschen wie auf Kommando mit wehenden Rockschößen über Bahnsteige. Der Grund nennt sich "Achtung, umgekehrte Wagenreihung" und wird meist erst kurz vor Einfahrt des Zuges mitgeteilt. Damit ist künftig Schluss. Und auch mit der Ausrede gegenüber Chef oder Partner, man könne jetzt nicht telefonieren, man sei im Zug. Die Bahn rüstet kommunikations- und unterhaltungstechnisch auf.

Bahnchef Rüdiger Grube und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) präsentierten die Neuerungen stolz am Donnerstag im Berliner Hauptbahnhof. Alle 250 ICE-Züge sind seit Anfang dieses Jahres mit einem leistungsfähigen und kostenlosen Wlan ausgestattet, auch in der zweiten Klasse. Dort freilich nur mit einem Datenvolumen von 200 MB je Nutzer und Tag.

Ab dem Frühjahr sollen zudem über "Maxdome" bis zu 50 verschiedene Filme gratis abgerufen werden können; ein Unterhaltungsangebot wie bei Langstreckenflügen. 50 junge Leute wurden für die ersten drei Monate als Wlan-Buddys eingestellt. Sie laufen in roten Sweetshirts durch die Züge und helfen, wenn es Probleme beim Einloggen gibt. Nach und nach erfolgt bis Ende 2018 auch die Aufrüstung der ICE mit Signalverstärkern für die Telefonie. Dann wird man sogar im Tunnel störungsfrei mit der Außenwelt kommunizieren können.

Neu ist auch, dass die Bahn-App DB-Navigator jetzt bei allen ICE-Zügen genau zeigt, wo welcher Waggon halten wird. Und zwar in Echtzeit, inklusive kurzfristiger Veränderungen. Die Reisenden können sich also schon bei der Anreise schlaumachen; das Gedränge am Wagenstandsanzeiger dürfte ebenfalls weniger werden.

"Versprochen, geliefert", sagte Grube stolz in Richtung Dobrindt. Der Minister hatte seit Beginn seiner Amtszeit heftig auf solche digitalen Angebote gedrängt. Am Donnerstag legte er nach: Natürlich müsse es jetzt weitergehen, "die ganze Reisekette entlang". Die ersten IC-Züge hat die Bahn ebenfalls schon mit Wlan aufgerüstet. Im Nahverkehr sollten die Länder bei Ausschreibungen darauf dringen, sagte Dobrindt.

Der CSU-Politiker zeigte sich zufrieden mit Grube, zumal der im März wieder eine positive Geschäftsbilanz präsentieren kann. Vor Steuern verdiente das Unternehmen im letzten Jahr 1,8 Milliarden Euro. 2015 war es noch ein Verlust gewesen. Und auch die Pünktlichkeit hat sich verbessert, von 74,4 auf 78,9 Prozent im Fernverkehr. Grube, der seit 2009 amtiert, kann nun offenbar mit einer Vertragsverlängerung rechnen.

Auf eine entsprechende Anfrage der RUNDSCHAU sagte Dobrindt jedenfalls, er würde sich freuen, "wenn wir in den nächsten Jahren noch viele gemeinsame Termine zum digitalen Fortschritt der Bahn haben".

Die Entscheidung fällt im Frühsommer im Aufsichtsrat. Die Bahn gehört dem Bund, sodass für den 65-jährigen Unternehmenschef nicht mehr viel schief gehen dürfte. Ob hingegen der Verkehrsminister nach der Wahl noch dabei ist, ist deutlich unsicherer.