"Setzt euch, das ist jetzt nicht mehr nötig", sagt Schuldirektor Jussif Ibrahim peinlich berührt, als er den Klassenraum betritt und die zwölf Schüler sofort aufspringen, um wie gewohnt "Ja, ja, für den Führer Saddam Hussein" zu rufen. Zwar haben die Lehrer auch hier in der El-Awsija-Grundschule in vorauseilendem Gehorsam die Bilder des alten Machthabers aus den Klassenräumen entfernt. Über der Tafel steht aber immer noch der Satz "Gott schütze Papa Saddam".

Angst, angeschossen zu werden
Bislang schicken nur wenige Eltern in Bagdad ihre Kinder zur Schule. Die meisten haben zu viel Angst, dass sie von einem der vielen bewaffneten Räuber angeschossen werden, die sich seit dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung auf den Straßen der Hauptstadt breitgemacht haben. "Der neunjährige Sohn einer unserer Lehrerinnen ist von einem Mann getötet worden, der einfach nur in die Luft schießen wollte", sagt der Schuldirektor.

Unter Schock entlassen
"Für die sechs- bis zehnjährigen Kinder ist es am schwierigsten, die Kriegsereignisse zu verarbeiten", meint Schehab Ahmed, einer der Ärzte im Saddam-Kinderkrankenhaus. Die Jüngeren verstünden oft nicht genug und erlitten schwere psychische Schäden, während die Älteren besser mit den Schockerlebnissen umgehen könnten. "Während der Angriffe hatten wir Patienten hier, die wegen des Schocks nicht mehr sprechen oder laufen konnten, aber wir haben sie entlassen, denn im Irak gibt es kein einziges psychiatrisches Krankenhaus für Kinder", sagt er.
Im Ibn-Ruschd-Zentrum für psychisch Kranke in Bagdads gab es vor dem Krieg wenigstens noch eine Sprechstunde für Kinder und Unterricht für lernschwache Kinder. "Die Plünderer haben alles gestohlen, sogar das Spielzeug für die Kinder", klagt Haschim Zajini, der Leiter des bis auf die Patientenkarteien völlig leergeräumten Zentrums.